Der Natur Donnerstag 2017 – #7


Schneeglöckchen

’s war doch wie ein leises Singen
In dem Garten heute Nacht,
Wie wenn laue Lüfte gingen:
»Süße Glöcklein, nun erwacht,
Denn die warme Zeit wir bringen,
Eh’s noch jemand hat gedacht.« –
’s war kein Singen, ’s war ein Küssen,
Rührt‘ die stillen Glöcklein sacht,
Dass sie alle tönen müssen
Von der künft’gen bunten Pracht.
Ach, sie konnten’s nicht erwarten,
Aber weiß vom letzten Schnee
War noch immer Feld und Garten,
Und sie sanken um vor Weh.
So schon manche Dichter streckten
Sangesmüde sich hinab,
Und der Frühling, den sie weckten,
Rauschet über ihrem Grab.

Joseph von Eichendorff
(1839)

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3 Kommentare zu “Der Natur Donnerstag 2017 – #7

  1. Auch wenn ich mich wiederhole: Schneeglöckchen gehören einfach zu meinen Lieblingsblümchen.
    Dass sie sich großer Beliebtheit erfreuen, sieht man doch auch daran, dass es so viele schöne Gedichte über sie gibt. Wunderschön das Bild.
    Viele Grüße, Angelika

  2. Hallo Marius,
    sehr guter Bildschnitt! Schneeglöckchen sind immer wieder ein herzerfreuender Anblick und sie verkünden uns das Ende des Winters!
    Lieben Gruß
    moni

  3. Als dann der Frühling im Garten stand,
    Das Herz ein seltsam Sehnen empfand,
    Und die Blumen und Kräuter und jeder Baum
    wachten auf aus dem Wintertraum,
    Schneeglöckchen und Veilchen hat über Nacht
    der warme Regen ans Licht gebracht,
    Aus Blüten und dunkler Erde ein Duft
    durchzog wie ein sanftes Rufen die Luft.

    Percy Bysshe Shelley (1792 – 1822)

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