SSG/HSV Wuppertal – Wald Merscheider TV

Ein Sportbericht lebt von Dynamik, Spannung und dem gewissen Fachwissen, das dem Leser zeigt: Hier weiß jemand genau, was auf dem Parkett passiert. Doch manchmal schreibt das Leben – oder die Technik – eben sein ganz eigenes Drehbuch.

Der Kampf mit der Technik und den Nerven

Eigentlich stand der gestrige Spieltag unter einem völlig anderen Vorzeichen. Seit geraumer Zeit versuche ich, mich von den schweren RAW-Dateien zu verabschieden. Die lange, mühsame Nachbearbeitung am in die Jahre gekommenen Rechner raubt einfach Zeit und Nerven. Gerade bei schnellen Hallensportarten kommen pro Partie schnell 150 bis 200 Aufnahmen zusammen, von denen am Ende nur eine scharfe Handvoll übrig bleibt. Die Canon EOS R ist eine fantastische Kamera, aber für rasanten Hallensport ohne dezidierten High-Speed-AF und mit riesigen 40-MB-CR3-Dateien schlicht ein Geduldsspiel – vieles ist hier oft mehr Glück als Können.

Der Plan war also gefasst: Umstellung auf JPEG. Kleinere Dateigrößen, kameraseitige Rauschreduzierung und endlich entspannter Workflow am Monitor. Früher ging es schließlich auch nur so. Also los: Manueller Weißabgleich mit der Graukarte gesetzt, alles schien perfekt vorbereitet. Doch die Praxis lehrte mich gestern eines Besseren: Die Ergebnisse waren ernüchternd. Während sich einige wenige Frames retten ließen, ging der Rest schlicht daneben.

Als ob das nicht reichen würde, erreichte mich zur Halbzeit auch noch eine Hiobsbotschaft von zu Hause, die mich stark belastet hat. Die Gedanken waren überall, nur nicht mehr auf dem Spielfeld. Ob in dieser Phase unbewusst an den Kameraeinstellungen verstellt wurde oder schlicht die Konzentration fehlte – die zweite Halbzeit war aus fotografischer Sicht komplett gelaufen. Egal, Mund abwischen.

Zum sportlichen Geschehen: Pflichtaufgabe mit Sand im Getriebe

Auf dem Spielfeld lief es für die Mädels des HSV zu Beginn ähnlich zäh wie bei mir an der Linise. Der Tabellenletzte vom Wald-Merscheider TV schien auf dem Papier eine machbare Aufgabe zu sein – „leichte Kost“, dachten wohl alle. Doch weit gefehlt.

Vor allem in den ersten 15 Minuten taten sich unsere Mädels extrem schwer. Zwar stand die 6:0-Deckung im Abwehrverbund phasenweise ordentlich und zwang den Gegner in den passiven Raum, aber im gebundenen Angriffsspiel passte vorne im Rückraum und auf den Außenpositionen wenig zusammen. Jede Menge Aufwand, aber im Abschluss fehlte schlicht die nötige Wurfeffektivität.

Erst ab der 20. Spielminute bekam der HSV mehr Zugriff, strukturierte das Tempospiel besser und konnte sich dank konzentrierter Einzelaktionen eine erste Pufferzone erarbeiten. Mit einem 11:6 ging es schließlich in die Kabine. Fünf Tore Vorsprung im Handball sind ein Polster, aber noch kein Ruhekissen – vor allem, weil die „bissigen“ Wald-Merscheider immer wieder über den Rückraum Druck ausübten, ihrerseits jedoch ebenfalls im Torabschluss an Durchschlagskraft vermissten.

Kontrollierter Schlussspurt und der verdiente Heimsieg

Durchgang zwei begann nahtlos so, wie der erste aufgehört hatte: Der HSV übernahm die Spielkontrolle, hielt das Tempo hoch und baute den Vorsprung über eine sichere Kreis- und Außenspiel-Anbindung kontinuierlich aus. Zeitweise wuchs der Abstand auf komfortable zehn Treffer an (20:10).

In der Schlussphase schlichen sich dann verständlicherweise Nachlässigkeiten und Unkonzentriertheiten im Rückzugsverhalten ein. Acht Minuten vor dem Ende war die Partie beim Stand von 20:10 jedoch längst entschieden. Wald-Merscheid nutzte dies noch zu drei Ergebniskorrekturen und verkürzte zum Endstand von 20:13.

Wie sagt man so schön? Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Es war gewiss kein Handball-Leckerbissen und spielerisch mit einigen Sandkörnern im Getriebe versehen, aber am Ende ein absolut verdienter Auswertssieg

Und eins hat sich mal wieder bestätigt:

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