Wie die aufmerksamen Besucher meines Blogs schon gemerkt haben: Jedes Jahr, wenn wir nach Schlesien fahren, legen wir einen kurzen Zwischenstopp im Osten ein. Viele Jahre lang sind wir an dieser Region einfach vorbeigefahren, ohne auch nur ein einziges Mal anzuhalten. Irgendwann fingen wir dann an, eine Pause zu machen – einfach, um die lange Fahrt aufzuteilen und um die unberührten, wunderschönen Ecken Deutschlands zu entdecken. Als Kind habe ich in der alten DDR meine Sommerferien verbracht, also wusste ich im Grunde schon, was mich erwartet.
Die Stopps, die wir seit ein paar Jahren machen, sind sozusagen eine Rückkehr in meine eigene Vergangenheit. Dieses Jahr fiel unsere Wahl auf Bad Schandau. Es ist das erste Mal, dass wir dieselbe Region noch einmal besuchen, aber die Sächsische Schweiz ist einfach zu gewaltig, um sie auf einmal zu entdecken. Auch jetzt, bei unserem zweiten Stopp, haben wir vielleicht nur die bekanntesten Hotspots besuchen können. Die echten Perlen der Region bleiben wohl noch verborgen und warten darauf, entdeckt zu werden. Es sieht also ganz danach aus, als wäre das nicht unser letzter Besuch in der Sächsischen Schweiz gewesen!
Und Bad Schandau? Hier war ich tatsächlich noch nie. Letztens sind wir zwar kurz durchgefahren, und dennoch war mir der Name irgendwie bekannt. Wieso? Ich weiß es nicht … aber vielleicht haben wir uns genau deswegen unser Hotel hier ausgesucht.
Kapoott wie wir waren – nach dem steilen Aufstieg auf den Lilienstein – und nachdem wir uns im Hotel ein wenig frisch gemacht hatten, zog es uns wieder hinaus. Ein paar erste Regentropfen erfrischten die Luft, und das angekündigte Unwetter war erst einmal vorbei. Zumindest für den Moment. Es stand dem Vorhaben also nichts im Weg, den zweiten Teil unseres Bad Schandau-Stopps zu erleben. Ich hatte nämlich eine Überraschung für meine Frau vorbereitet: den Historischen Personenaufzug.

Vielleicht ist er nicht der höchste in Europa (in der Schweiz steht einer, der dreimal so groß ist), aber er ist der höchste freistehende Aufzug in Deutschland. Mit seinen 52 Metern Höhe überwindet er stolze 48 Meter Höhenunterschied in einem Zug.
Die Besonderheiten des Aufzugs:
- Panoramablick: Die Fahrt bietet einen fantastischen Ausblick über das Elbtal und die Sächsische Schweiz.
- Wahrzeichen: Der Aufzug ist ein echtes Denkmal der Stadt und ein typisches Beispiel für die Ingenieurskunst der Jahrhundertwende.
- Die kleine Schwester: Er wurde damals als „kleine Schwester“ des Hammetschwand-Lifts in der Schweiz konzipiert.
Es war die perfekte Gelegenheit, um von oben einen Blick auf Bad Schandau und das Elbtal zu werfen. Leider habe ich mit einer Sache nicht gerechnet: mit Maria selbst.
Wir machen eigentlich alles gemeinsam, auch wenn es manchmal an ihre oder meine Grenzen geht. Aber schon auf dem Lilienstein habe ich gemerkt, dass ihre Höhenangst bei ganz bestimmten Konstruktionen kickt. Sobald man durch den Boden in die Tiefe schauen kann, wird sie verständlicherweise bockig und geht keinen Schritt weiter. Genau aus dem Grund musste ich den allerhöchsten Gipfel auf dem Lilienstein auch allein bezwingen. Aber dass sie sich auch hier querstellen würde…
Ich meine, sie sah diese Konstruktion, die nicht nur 120 Jahre, sondern auch zwei Kriege, den Zusammenbruch Deutschlands und inzwischen über 30 Jahre westdeutsche Geschichte überlebt hat und immer noch tadellos funktioniert! Sie brauchte das Ding nur von Weitem zu sehen, und ich hörte ein klares: NEIN!

Wie jetzt? Genau aus diesem Grund – und nur aus diesem Grund – schliefen wir heute in Bad Schandau! Zu ihrem Glück fing es genau in dem Moment an zu regnen, und auch ich verlor langsam die Lust, sie weiter zu überzeugen. Oben im strömenden Regen zu stehen, muss ja auch nicht sein. Schade, ich hatte mich so gefreut, aber man kann nichts machen.
Versteckt unter dem Regenschirm schlenderten wir langsam zurück in Richtung Hotel. Bei so einem Wetter macht eine Städtetour wahrlich keinen Spaß. Schon einmal haben wir drei Tage in Berlin so erlebt und von der Stadt kaum etwas gesehen. Hier in Bad Schandau hatten wir noch ein wenig Glück, denn das Wetter wechselte wie in den Bergen typisch hin und her, und der Regen gönnte uns immer wieder kurze Pausen.
Auf dem Rückweg konnten wir in dem kleinen Ort ein paar interessante Jugendstilvillen bewundern und standen plötzlich vor einer Hochwasser-Erinnerungswand. Als ich mir die Markierungen der Überflutungshöhen ansah, traf es mich: 2002 ist ganz oben! Vielleicht hat sich Bad Schandau genau deswegen in mein Gedächtnis eingebrannt. Solche Katastrophen lassen nicht nur die Städte, sondern auch Menschen wie mich, die vieles in sich aufnehmen, nicht mehr los. Ich habe ja schon vieles gesehen, aber so ein Wasserstand mitten in der Stadt, wo die Elbe normalerweise bestimmt 3 bis 5 Meter tiefer in ihrem Bett liegt? Einfach Wahnsinn! Vielleicht wirkt hier auch deshalb vieles irgendwie anders.
In einer kurzen Regenpause entdeckten wir noch ein paar Straßenzüge, bevor wir gegen 17:30 Uhr pünktlich zum heftigen Dauerregen wieder im Hotel eintrafen. Trotz allem: Es war wirklich ein fantastischer Tag, den wir beide noch lange in Erinnerung behalten werden. Bad Schandau hat sich als lohnendes und hochinteressantes Etappenziel im Herzen der Sächsischen Schweiz erwiesen. Ein wunderbarer Zwischenstopp, der die lange Fahrt nach Schlesien extrem unterhaltsam gemacht hat.



Am nächsten Tag wurde wieder alles ins Auto geladen, gemütlich gefrühstückt und weiter ging es in Richtung Schlesien – die letzten 300 Kilometer bis nach Hause.


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