Dass dieses Spiel überhaupt zustande kommen würde, hat eine halbe Stunde vor dem Anpfiff wohl niemand mehr geglaubt. Um 14:30 Uhr sollte in der Heimhalle am Kothen das Spiel der HSV Wuppertal gegen die Bonner JSG angepfiffen werden. Auf diese Partie hatten sich die HSV-Mädchen seit Tagen gefreut, schließlich gab es nach der letzten Saison noch Klärungsbedarf: Die harte Niederlage im Rückspiel lag der Mannschaft noch schwer im Magen – besonders, wenn man sich das fantastische Unentschieden aus der Hinrunde vor Augen hält. Heute sollte alles anders laufen.

Doch vorerst musste die Halle geöffnet werden. Aus welchen Gründen auch immer: Die Türen waren verschlossen und niemand wusste, wo die Schlüssel sind. Die Wach- und Schließgesellschaft schickte nach einem Anruf und zwanzigminütigem Warten endlich einen Mitarbeiter. Das Problem: Er war zum ersten Mal hier und kein einziger Schlüssel an seinem Bund passte. Wahnsinn – ich habe im Sport schon vieles erlebt, aber so etwas noch nicht.
Mir wurde ganz anders bei dem Gedanken, dass diese Partie auf einen unentschuldigten Spielausfall und damit verbundene Minuspunkte am grünen Tisch hinauslaufen könnte. Das wollte ich mir nicht antun. Während die Stimmung bei den HSV-Verantwortlichen langsam merklich gereizt wurde, nahmen die Mädchen die Situation bemerkenswert sportlich. Sie nutzten die Zeit für gemeinsame, leichte Aufwärmrunden vor der Tür und warteten entspannt ab – taktisch vielleicht genau die richtige Lösung, um die Nerven zu behalten. Um mir das drohende Debakel nicht weiter anzuschauen, drehte ich eine kurze Spazierrunde. Als ich eine halbe Stunde später zurückkam, waren wundersamerweise schon alle in der Halle. Gott sei Dank, dachte ich mir, zumindest werden wir das Spiel nicht auf diese Weise verlieren.
Kurz nachdem ich die Halle betreten hatte, erfolgte auch schon der Anpfiff – als hätten alle nur auf mich gewartet. 😉
Die personelle Ausgangslage war dabei alles andere als optimal: Spielmacherin Lia hatte sich im letzten Spiel den Finger gebrochen und auch Lena musste mit Schulterschmerzen pausieren. Doch da der Kader glücklicherweise breit genug aufgestellt ist, hatte man gehofft, diese Ausfälle im Kollektiv kompensieren zu können.
Von der ersten Minute an war spürbar, dass die Mädels bereit waren, die Verantwortung für den Spielaufbau in die eigenen Hände zu nehmen. Lief das Spiel bisher oft stark über Lia, so rissen nun gleich mehrere Spielerinnen das Zepter an sich, um die Dynamik zu unseren Gunsten zu verändern.






Es war eine fantastische, geschlossene Mannschaftsleistung auf jeder Position. Natürlich gab es technische Fehler, die lassen sich in keinem Spiel komplett vermeiden. Aber bei diesem enormen Kampfgeist fielen sie nicht weiter ins Gewicht. Ein souveräner 29:24-Sieg ist ein starker Indikator dafür, dass die Mannschaft in ihrer sportlichen und mentalen Weiterentwicklung große Fortschritte macht.
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