Der Pétanque-Paparazzo

Es gibt Momente, in denen man einfach stehenbleibt, weil etwas Unerwartetes den Blick fesselt. Bei mir war es erst gestern ein unscheinbares Spielfeld, irgendwo zwischen Kies, Schatten und spätsommerlicher Ruhe. Darauf: eine Gruppe älterer Menschen, die mit einer Ernsthaftigkeit Pétanque spielten, als ginge es um die Champions League der Eisenkugel-Philosophie.

Eigentlich wollte ich nur ein paar Fotos machen. Ganz harmlos. Ein bisschen dokumentieren, wie diese Damen und Herren ihre Kugeln werfen, wie sie sich konzentrieren, miteinander lachen und sich gegenseitig necken. Ein paar authentische Momente für meinen Blog – nichts weiter.

Doch bevor ich die Kamera richtig heben konnte, wurde ich freundlich, aber bestimmt gestoppt. Nicht unhöflich, nicht streng. Eher in der Art: „Junger Mann, wir spielen hier seit 40 Jahren, und die Kamera bleibt bitte unten.“

Vielleicht war ich selbst schuld, wirkte zu neugierig oder war einfach zur falschen Zeit am richtigen Ort. Ein bisschen schade war es dennoch, denn was ich dort beobachten durfte, war großartig. Ich habe selten so lange diese Spiel beobachtet. Diese Mischung aus Konzentration, Gelassenheit und leiser Rivalität hat eine ganz besondere Magie. Man spürt: Pétanque ist hier nicht einfach nur ein Spiel, es ist ein Ritual. Ein kleines Theaterstück, das mit jedem Wurf neu geschrieben wird.

Die Spieler bewegten sich mit einer Ruhe, die man sonst nur bei Menschen findet, die schon alles gesehen haben. Jede Kugel wurde geworfen wie ein Gedanke, der lange gereift ist. Und wenn sie landete, gab es dieses typische „Klonk“ – wie ein kleiner Gong, der sagt: „So, jetzt bist du dran.“

Gern hätte ich das fotografiert. Diese Gesichter, die Geschichten erzählen. Diese Hände, die Kugeln halten wie alte Freunde. Diese ungestellten Momente. Aber vielleicht war es genau richtig so. Manchmal muss man Dinge einfach nur betrachten, ohne sie festhalten zu wollen. Manchmal ist das Bild im Kopf das wertvollere. Und manchmal ist es besser, nicht zum Pétanque-Paparazzo zu werden, sondern einfach der stille Beobachter am Rand zu bleiben.

Wer weiß – vielleicht darf ich beim nächsten Mal doch ein paar Bilder machen. Wenn ich vorher das Schweinchen grüße, mich offiziell vorstelle und hochheilig verspreche, keine sportlichen Geheimstrategien zu verraten. Bis dahin bleibt mir dieser Nachmittag als schöne Erinnerung: ein unerwarteter Halt, ein kleines Schauspiel und die Erkenntnis, dass man manchmal länger verweilt als geplant – einfach, weil der Augenblick so stimmig ist.

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5 Kommentare

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  1. Komm vorbei.

    Seit wir das Spiel im Sommer in Frankreich „entdeckt“ und lieben gelernt haben, weil es so viel schöner ist als schnödes Bocchia, spielen wir es öfter. Es gibt zum Glück ein paar Bahnen im Landkreis.
    Uns dürftest Du fotografieren. Ausnahmsweise.

  2. Es geht nicht um sportliche Geheimstrategien. Du darfst bei uns niemanden ohne dessen ausdrückliche Einwilligung fotografieren.
    Liebe Grüße – Elke

  3. Noch nie von diesem Spiel gehört! Hätte es gern in Deinen Fotos gesehen.
    Aber es gibt immer wieder Momente, da hat man vielleicht keine Kamera dabei, oder man darf nicht fotografieren, oder der Moment läszt sich nicht im Bild festhalten… jedenfalls gibt es auf meinem Blog dafür die Rubrik „Momentaufnahme“. Wo ich es versuche mit Worten zu schildern.
    Du hast das jedenfalls sehr gut hinbekommen 🙂
    Liebe Grüsze
    A.