Beton-Sonnenschirm der Zeit
Im Herzen von Oppeln, dort wo das geschäftige Treiben auf dem Plac Wolności auf den Schatten geschichtsträchtiger Mauern trifft, steht es – schlicht, aus Beton und doch unübersehbar. Das „Grzybek“ (das Pilzchen). Für viele ist es nur ein ungewöhnliches Wartehäuschen, doch in Wahrheit ist es die architektonische Handschrift eines Mannes, der das Nachkriegs-Oppeln maßgeblich neu erfunden hat.
Die Vision von Florian Jesionowski
Es gäbe das „Grzybek“ nicht ohne Florian Jesionowski. Der Architekt kam 1955 eigentlich nur für einen kurzen Aufenthalt nach Oppeln, blieb jedoch ein halbes Jahrhundert und wurde zur rechten Hand des legendären Stadtpräsidenten „Papa“ Musioł. Jesionowski war fest davon überzeugt, dass eine Stadt nicht nur aus monumentalen Prachtbauten besteht, sondern vor allem aus ihren Details. Er, der auch das berühmte Amphitheater entwarf, bewies, dass Beton leicht, fast schon poetisch wirken kann. Das „Grzybek“ war der Inbegriff dieser Philosophie – ein Beweis dafür, dass selbst eine einfache Haltestelle den Status eines Kunstwerks verdient.
Architektur mit Seele
Der Entwurf aus den 1960er Jahren ist die Quintessenz des polnischen Modernismus. Die Konstruktion besticht durch ihren ingenieurstechnischen Mut: Ein weit ausladender Kelch aus Stahlbeton, der von einer einzigen, zentralen Säule getragen wird. In einer Ära, in der oft das graue Einerlei dominierte, brachte Jesionowskis Entwurf einen Hauch westlicher Moderne auf den Platz. Der Architekt legte dabei großen Wert darauf, dass das Häuschen mit der benachbarten Fontäne harmonierte, um einen ästhetischen Raum der Entspannung für die Bürger zu schaffen.
Von der Haltestelle zur Legende
Über Jahrzehnte hinweg erfüllte das Objekt seinen Zweck – zunächst als wichtiger Busstopp, später als prestigeträchtiger Taxistand. Doch mit der Zeit wandelte sich seine Bedeutung. „Treffen wir uns am Grzybek“ wurde zu einem lokalen Code, zu einem Orientierungspunkt, der Generationen von Oppelnern miteinander verbindet. Jesionowski, der sein Werk über die Jahre beobachtete, durfte stolz sein: Seine „kleine Architektur“ war zu einem großen Symbol herangewachsen.
Im Jahr 2025 schloss sich der Kreis der Geschichte. Das „Grzybek“ wurde offiziell unter Denkmalschutz gestellt – eine späte Hommage an Jesionowskis Meisterschaft. Es ist die formelle Anerkennung dafür, dass dieser Betonschirm für die Identität Oppelns ebenso wichtig ist wie die historischen Wehrmauern oder das Rathaus.
Symbol der Beständigkeit
MACHTRAG! Nach dem Kommentar von Elke habe ich wirklich mein Workflo Überprüft und bin ich zu dem Entschluss gekommen das es ein wenig zu Dunkel war… Bild habe ich gewechselt , ob es besser aussieht? Keine ahnung aber auf jeden Fall ist ein wenig Heller 🙂
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Hallo Marius,
heller finde ich es jetzt besser, weil man da nun auch etwas von der Struktur erkennt.
Lutz schreibt: „… ich kann mich dem ganz und gar nicht anschließen, dass der Sonnenschirm hässlich ist. Er ist ein typisches Kind seiner Zeit bzw. architektonischen Epoche, sowohl in Gestaltung als auch im fast schon naiven Verwenden von Beton.“
Damit hat er sicher recht, aber ich darf ihn doch trotzdem hässlich finden – oder nicht? Deshalb auch „ich finde ihn eher hässlich“.
Das mit dem Denkmalschutz ist immer so eine Sache. Kann man, aber muss man nicht immer, finde ich.
LG – Elke
Lutz… ich sehe das wie Du. Auch diese Art von Architektur kann Kunst sein, das sie uns heute ein wenig Altmodisch oder Schäbigk aussieht … so ist das leben. Aber … aber nicht alles ist Kunst … vor allem solche „Profane“ objekte wie der hier ist zu Kunst geworden weil die Mennschen Ihn einfach Akzeptiert haben und wollten ihn schützen vor dem Abbau… zu viele menschen haben mit dem Beton unterstand gute Erinnerung … deswegen ihn als Kunstobjekt zu Schützen war es einfach.
Danke für dein besuch und Kommentar
by czoczo
Guten Morgen lieber Marius,
ich kann mich dem ganz und gar nicht anschließen, dass der Sonnenschirm hässlich ist. Er ist ein typisches Kind seiner Zeit bzw. architektonischen Epoche, sowohl in Gestaltung als auch im fast schon naiven Verwenden von Beton. Ich finde es auch vollkommen richtig, dass er unter Denkmalschutz steht. Es ist immer das Dilemma von Kunst samt Architektur, dass sie, sobald sie „unmodern“ wird, auf viel Ablehnung stößt und es noch mal eine geraume Zeit braucht, bis sie als das akzeptiert wird. Die Phase gilt es zu überbrücken statt einfach alles „wegzuwischen“.
Leider ist das besondere Problem des Betons, dass es mit der Zeit ziemlich ramponiert und damit unansehnlich wirkt und zudem für Sprayer:innen besonders einladend ist.
Wesentlich älter ist das Bauwerk, dass ich für diesen Monat ausgesucht habe, den Link setze ich oben auch noch mal über Inlinkz ein.
https://zwetschgenmann.de/black-white-2026-mai/
Sieht ja irgendwie schräg aus. 😉
Hier ist mein Bild:
https://wortman.wordpress.com/2026/05/01/35344/
Danke für eure Besuch und Kommentar …
@Elke – Ja Liebe Elke es ist wirklich zu Dunkel… Überhaupt meine Bilder wirken irgendwie zu Dunkel aus . Ich werde das Bild wechseln… es kann nicht sein das sowas gerade noch heute euch zuzumuten ist @Anne – Du hast volkommen recht … die FB Black&White seite habe ich wirklich nachgelasen … ich werde mich bessern… Versprochen
Liebe Grüße czoczo
Guten Morgen, Marius.
Mit Kunst habe ich so meine Probleme, das gebe ich zu. Diesen Pilz, egal ob inzwischen unter Denkmalschutz oder nicht, finde ich eher hässlich. Bild Nr. 2 finde ich ganz gelungen. Das erste ist mir zu dunkel. Da wirkt das Pilzdach auf mich erdrückend. Ich würde mich dort nicht unterstellen wollen.
Herzliche Grüße und einen angenehmen 1. Mai.
Elke
Hallo Marius
Schöne Aufnahmen. Die 2. gefällt mir besser, da man dort auch die Strukturen der Unterseite gut erkennt.
Gruß
Andreas
Das Ding sieht spannend aus. Ich stelle mir das mimitt dem Entwurf und der Statik auxh gar nucht maö so einfach vor.
Sehr interessant und gute Fotos, die ganz sicher nicht so einfach waren… Mich interessieren noch diese Bögen dahinter – ist das nur eine Mauer oder ein Gebäude?
Übrigens musz ich immer schmunzeln, wenn hier die Zeitung mal wieder die Adressen der Pilzberater veröffentlicht: da gibt es ein Ehepaar namens Grzyb! Nomen est omen…
Liebe Grüsze
A.
Guten Morgen lieber Marius!
So häßlich das Ding auch ist, so interessant ist die Information dazu!
Ich poste ja immer meine Beiträge bei Facebook in deine Gruppe. Aber du bist da als Admin gar nicht mehr aktiv? Schau doch mal vorbei!
Liebe Grüße
Anne