Die letzte Woche war ein einziges Nervenbündel – voller Unsicherheit, spontaner Entscheidungen und harter Arbeit, damit am Ende überhaupt ein Qualifikationsturnier stattfinden konnte. Die Bedeutung dieses Wochenendes für die Mannschaft war riesig: Es ging nicht nur um ein paar Spiele, sondern um die sportliche Zukunft der kommenden Saison.
Eigentlich sollte das Turnier in Königswinter im Siebengebirge stattfinden – eine wunderbare Gegend, aber das Wetter der vergangenen Tage hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Turnier wurde rechtzeitig abgesagt und auf einen Termin verschoben, an dem der HSV bereits für ein internationales Turnier in Barcelona gemeldet war. Eine Situation, die niemand beneiden würde: Entweder man investiert viel Geld, Zeit und Energie, um die Reise nach Spanien zu organisieren und sich international zu zeigen – oder man verzichtet darauf und riskiert, in der nächsten Saison trotz starker Mannschaft nur in der Kreisliga zu landen, weil man nicht am Qualifikationsturnier teilnehmen kann.
Für das Trainerteam und die Mädchen war das eine extrem belastende Lage. Doch es gab eine letzte Chance: die teilnehmenden Mannschaften davon zu überzeugen, das Qualifikationsturnier trotzdem an diesem Wochenende auszutragen. Am Samstag in Königswinter war das nicht mehr möglich – die Absage stand, die Halle war nicht verfügbar. Also musste nicht nur Überzeugungsarbeit geleistet werden, sondern auch ein Austragungsort in letzter Minute gefunden werden. Und am Ende musste sogar der Verband zustimmen.
Es blieben keine Tage, sondern nur Stunden. Aber die Mühe hat sich gelohnt.
Am Sonntag um 12 Uhr in Düsseldorf konnten wir schließlich alle fünf Mannschaften begrüßen. Ein klares Ziel vor Augen: Die ersten drei Plätze werden nominiert – Platz 1 für die Regionalliga, Platz 2 und 3 für die Oberliga. Für den HSV als Neuling in der B‑Jugend eine gewaltige Herausforderung. Doch niemand hat diese ganze Aktion ins Rollen gebracht, um das Turnier einfach abzuschenken. Die Mädchen und das Trainerteam wussten, dass es ein schweres Turnier werden würde, vielleicht ohne große Siegchancen – aber mit der realistischen Hoffnung, ein oder zwei Spiele mitzunehmen und sich damit die Oberliga‑Nominierung zu sichern.

HSV Wuppertal vs. TuS Königsdorf (4:14)
Ein schwerer Auftakt und eine mutige Entscheidung des Trainerteams
Schon auf der Fahrt nach Düsseldorf, im Gespräch mit Mike, war zu spüren, wie viel Respekt – um nicht zu sagen Angst – vor TuS Königsdorf in der Luft lag. Die Mannschaft aus Frechen hatte in der vergangenen Saison den dritten Platz belegt und war bekannt für ihr körperlich starkes, schnelles Spiel. Vor allem das Rückspiel in Frechen brannte sich tief in Mikes Erinnerung ein: eine 42:12‑Niederlage, die höchste der gesamten Saison.
Trotzdem war klar: Der HSV ist heute ein anderer HSV. Technisch besser, konditionell stärker, mental gefestigter. Eigentlich gute Voraussetzungen, um Königsdorf zumindest zu ärgern. Doch ein Faktor, den niemand einkalkuliert hatte, stellte das Spiel früh auf den Kopf: der Ball.
Da Königsdorf als „Heimteam“ geführt wurde, durften sie den Spielball stellen – und dieser Ball war eine echte Überraschung. Vielleicht ein wenig Platt, und extrem klebrig, als hätte man eine halbe Dose Harz darauf verteilt. Der Ball blieb regelrecht an den Fingern hängen, Pässe lösten sich schlecht, und jeder Versuch, ihn sauber zu spielen, wurde zum Risiko.
Der HSV spielt inzwischen seine zweite Saison mit Harz und kann damit sehr gut umgehen, solange die Bedingungen normal sind. Doch dieser Ball war weit von „normal“ entfernt. Selbst routinierte Spielerinnen hatten Schwierigkeiten, den Ball kontrolliert zu führen. Schrittfehler, Fehlpässe, verlorene Bälle – Dinge, die man bei dieser Mannschaft sonst inzwischen selten sieht – häuften sich plötzlich. Es war nicht mangelnde Technik, sondern ein Spielgerät, das schlicht überharzt war.
Die ersten Minuten wirkten noch ausgeglichen, aber je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher wurde: Mit diesem Ball konnte der HSV sein gewohntes Spiel nicht aufziehen.
Die ersten Minuten waren noch ausgeglichen, beide Teams tasteten sich ins Spiel. Doch je länger die Partie dauerte, desto deutlicher wurde: Mit diesem Ball konnte der HSV nicht sein Spiel aufziehen. Das Trainerteam war sichtlich irritiert, aber eine Beschwerde hätte das Spiel nicht verändert – also blieb nur, das Beste daraus zu machen.
Nach 15 Minuten fällt die Entscheidung
Nach rund einer Viertelstunde, beim Stand von 2:7, traf das Trainerteam eine kluge und mutige Entscheidung: Die erste Garde wurde geschont. Das Turnier hatte gerade erst begonnen, die Kräfte mussten eingeteilt werden, und dieses Spiel war – realistisch betrachtet – nicht mehr zu retten.
Damit bekamen die Spielerinnen der zweiten Reihe die Chance, das Spiel mitzugestalten, Verantwortung zu übernehmen und wertvolle Minuten zu sammeln. Und sie machten ihre Sache gut: kämpferisch, mutig, ohne Angst vor Fehlern. Das Ergebnis war am Ende deutlich, aber nicht entmutigend.
Ein erwarteter Ausgang – aber ein wichtiger Schritt
HSV Wuppertal verliert das Auftaktspiel mit 4:14. Genau in dem Bereich, den Mike vorher befürchtet hatte – aber weit entfernt von der hohen Niederlage der letzten Saison. Trotz widriger Umstände, trotz eines kaum spielbaren Balls, trotz eines übermächtigen Gegners hat die Mannschaft Haltung gezeigt.
HSV Wuppertal vs. Fortuna Düsseldorf (14:9)
Neuer Ball, neues Spiel – und ein HSV, der sofort explodiert
Die Probleme aus dem ersten Spiel waren bereits vergessen, als der HSV zum zweiten Mal auf die Platte ging. Ein anderer Ball, ein anderes Gefühl in der Hand – und sofort ein völlig anderes Spiel. Gegen Fortuna Düsseldorf, den kurzfristigen Organisator des Turniers, wartete eine volle Halle, steigende Temperaturen und eine Atmosphäre, die man selten bei einem Qualifikationsturnier erlebt.
Fortuna hatte ihr Auftaktspiel gewonnen und ging mit breiter Brust in die Partie. Für den HSV war klar: Die Niederlage zuvor musste als Ausrutscher gelten. Ohne Ausreden, ohne Hinweise auf den Ball – einfach zeigen, was diese Mannschaft wirklich kann.
Der HSV startet wie entfesselt
Vom ersten Moment an war zu spüren, dass die HSV‑Mädchen das Spiel unbedingt drehen wollten. Die Körpersprache war eine andere, die Energie war eine andere, und die Präzision war zurück. Die Torhüterin stand perfekt, parierte gleich mehrere freie Würfe und gab der Mannschaft die Sicherheit, die sie brauchte. Dahinter arbeitete die Abwehr geschlossen, aggressiv, aufmerksam – jede Spielerin wusste genau, was zu tun ist.
Und vorne? Endlich lief der Ball wieder sauber durch die Reihen. Klare Aktionen, mutige Würfe, schnelle Entscheidungen. Die Mädchen spielten Handball, wie man es von ihnen kennt: strukturiert, konzentriert, mit Herz und Tempo.
Ein Spiel, das einfach Spaß macht
Es war eines dieser Spiele, bei denen man als Zuschauer automatisch mitgeht. Die Halle wurde lauter, die Bank lebendiger, und die Mädchen wuchsen mit jeder gelungenen Aktion weiter über sich hinaus. Kaum Fehler, kaum hektische Situationen – stattdessen ein Team, das sich gegenseitig trägt und sichtbar Freude daran hat, gemeinsam zu kämpfen.
Die Niederlage aus dem ersten Spiel? Schon längst aus den Köpfen verschwunden.
Ein verdienter Sieg und ein starkes Lebenszeichen
Mit 14:9 gewinnt der HSV das zweite Spiel klar und verdient. Ein Sieg, der nicht nur zwei Punkte bringt, sondern vor allem zeigt: Diese Mannschaft ist bereit. Mental, körperlich und als Team.
HSV Wuppertal vs. HSG Wesel (11:5)
Die zweite Garde zeigt, was in ihr steckt – und Wesel wirft alles in die Waagschale
Ein Sieg reicht nicht, um nominiert zu werden – also musste der HSV weiter liefern. Nach der starken Vorstellung der zweiten Garde im ersten Spiel entschied das Trainerteam, ihnen erneut das Vertrauen zu geben. Gegen Wesel schien das zunächst eine sichere Entscheidung: Die HSG Wesel hatte beide bisherigen Spiele verloren und stand ohne Punkte da. Doch genau das machte sie gefährlich. Eine Mannschaft, die nichts mehr zu verlieren hat, kann plötzlich über sich hinauswachsen.
Und genauso kam es.
Wesel spielt wie entfesselt – und HSV hält dagegen
Wesel setzte alles auf eine Karte. Sie spielten aggressiver, mutiger und deutlich strukturierter als in ihren vorherigen Partien. Hätten sie das gesamte Turnier so gespielt wie gegen den HSV – wer weiß, wo sie am Ende gelandet wären.
Die Partie blieb bis zur 16. Minute eng. Der HSV führte meist mit ein oder zwei Toren, aber es war spürbar, dass dieser Vorsprung nicht stabil war. Die zweite Garde kämpfte, hielt dagegen, verteidigte leidenschaftlich – doch Wesel blieb dran. Es war eines dieser Spiele, bei denen man merkt: Wenn jetzt nicht nachgelegt wird, kann das kippen.
Frische Kräfte – und das Spiel dreht sich
Also reagierte Mike. Schritt für Schritt brachte er Spielerinnen, die körperlich und mental bereit waren, die Verantwortung zu übernehmen. Und der Effekt war sofort sichtbar. Mit den frischen Kräften bekam das Spiel eine völlig neue Dynamik: mehr Tempo, mehr Präzision, mehr Durchschlagskraft.
Innerhalb weniger Minuten kippte die Partie klar zugunsten des HSV. Die Abwehr stand wieder stabil, die Torhüterin parierte wichtige Würfe, und vorne wurden die Chancen konsequent genutzt. Wesel konnte das Tempo nicht mehr mitgehen – und der HSV entschied das Spiel souverän für sich.
Ein Sieg, der die Tür zur Oberliga öffnet
Mit 11:5 gewinnt der HSV sein zweites Spiel des Tages. Unter den gegebenen Umständen war das genau der Sieg, der für die Oberliga‑Nominierung nötig war. Die Erleichterung war riesig. Die Stimmung im gesamten Team lockerte sich spürbar – man sah es in den Gesichtern, in der Körpersprache, in den Gesprächen am Rand.
Der Traum, den die Mädchen und das Trainerteam seit Monaten verfolgen, bestätigte sich auf der Platte: Die Arbeit geht in die richtige Richtung. Die Mannschaft wächst. Und trotz der bitteren Niederlage im ersten Spiel haben die Mädchen gemeinsam ihr Ziel erreicht.
HSV Wuppertal vs. HSG Siebengebirge (14:9)
Das schwierigste Spiel des Tages – und ein HSV, der zeigt, wie weit er schon ist
n meinen Augen war dieses Spiel das schwierigste des gesamten Turniers. Die Nominierung für die Oberliga stand bereits fest, und auch die HSG Siebengebirge war als dritter Platz kaum gefährdet. Doch genau das machte die Partie besonders: Beide Mannschaften konnten frei aufspielen, beide wollten wissen, wo sie wirklich stehen – und beide wollten den Turniertag mit einem Statement beenden.
Siebengebirge trat selbstbewusst auf, körperlich stark, mit klaren Aktionen. Aber der HSV ließ sich davon nicht beeindrucken. Schon nach wenigen Minuten war zu sehen, dass die Mädchen aus Wuppertal ihr Spiel aufzwingen wollten – und es gelang ihnen. Die Abwehr stand kompakt, verschob sauber, gewann wichtige Zweikämpfe. Im Angriff zeigten die Mädchen das vielleicht beste Zusammenspiel des gesamten Turniers: druckvoll, variabel, mutig.
Ein Spiel, das zeigt, wohin die Reise geht
Dieses Spiel war mehr als ein Abschluss. Es war ein Beweis. Ein Beweis dafür, dass der HSV nicht nur stark genug für die Oberliga ist – sondern eigentlich auch das Niveau der Regionalliga berührt. Die Mannschaft ist technisch sauber, taktisch gewachsen und körperlich bereit. Um in die Regionalliga zu kommen, hätte man Königsdorf im ersten Spiel schlagen müssen. Das ist nicht gelungen – aber die Leistung gegen Siebengebirge zeigt eindeutig, dass die Qualität dafür vorhanden ist.
Der 14:9‑Sieg war verdient, klar und souverän. Ein Abschluss, der den gesamten Turniertag abrundet und die Entwicklung der Mannschaft sichtbar macht.
Ein Ziel erreicht – und ein Abenteuer vor der Tür
Das Ziel des Turniers wurde erreicht. Die Mädchen haben sich die Oberliga‑Nominierung erkämpft, trotz aller Schwierigkeiten, trotz der chaotischen Vorbereitung, trotz der Niederlage im ersten Spiel. Sie haben gezeigt, dass sie zusammen stark sind – und dass sie bereit sind für den nächsten Schritt.
Jetzt können sie mit einem richtig guten Gefühl nach Barcelona fahren.
Ich selbst werde leider nicht dabei sein. In dieser Zeit bin ich im Urlaub und verbringe wertvolle Tage mit meinen Eltern. Aber ich werde mit großer Spannung auf eure Berichte aus Spanien warten. Ihr habt gestern bewiesen, dass ihr jede Hürde meistern könnt – und vor allem, dass ihr gemeinsam ein Abenteuer erleben werdet, das ihr euer Leben lang mit euch tragen werdet.
Habt Spaß, genießt jeden Moment – denn nur zusammen seid ihr stark.
Und die Restliche Bilder … werden in kurzen im Galerien Bereich erscheinen wo inzwischen auch für diese Saison ich eine Seite vorbereitet habe!
Ein Wort an die Organisatoren und teilnehmenden Mannschaften
Zum Schluss möchte ich noch etwas sagen, das mir wirklich am Herzen liegt: Dieses Turnier hätte ohne die Bereitschaft, Flexibilität und den Teamgeist vieler Menschen nicht stattfinden können. Ein riesiges Dankeschön an Fortuna Düsseldorf, die sich in letzter Minute bereit erklärt haben, das Turnier auszurichten – mit voller Halle, guter Organisation und einer Atmosphäre, die man selten erlebt.
Danke auch an alle teilnehmenden Mannschaften, die trotz der chaotischen Vorgeschichte zusammengehalten, sich abgestimmt und den Weg nach Düsseldorf gefunden haben. Ihr habt damit verhindert, dass der HSV vor eine unmögliche Entscheidung gestellt wird. Ihr habt gezeigt, dass Handball mehr ist als nur Sport: Es ist Gemeinschaft, Fairness und gegenseitige Unterstützung.
Durch euren Einsatz konnten die HSV‑Mädchen spielen, kämpfen, wachsen – und am Ende ihren Traum erreichen.
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