Ich bekomme vom ÖPNV einfach nicht genug. Nach zwei Tagen voller Fahrten mit Bussen und der Schwebebahn war heute endlich die Zeit für meine eigentliche Lieblingsbeschäftigung gekommen: Zugfahren. Ich liebe das Zugfahren – oder besser gesagt, ich habe es immer geliebt.
Vor zwei Jahren, mitten in einer für mich schwierigen Zeit, merkte ich plötzlich, dass mich diese Fahrten unter enormen Stress setzen. Das hielt mich damals nicht davon ab, trotzdem die Reise nach Aachen anzutreten. Diese Geschichte habe ich hier auf dem Blog schon einmal erzählt, und sie wird meiner Familie und mir wohl ewig im Gedächtnis bleiben. Heute lachen wir darüber, aber an jenem Tag habe ich das Zugfahren einfach nur verflucht.

Zwei Jahre später schmunzele ich darüber. Die innere Anspannung fährt zwar immer noch als blinder Passagier mit, aber dennoch liebe ich diese Fahrten noch immer. Also, auf nach Düsseldorf! Gestern in Wuppertal merkte ich einfach, dass ich ein wenig andere Luft und neue Motive brauchte. Ich wollte mich auf etwas anderes konzentrieren und ein bisschen Großstadtluft schnuppern – ganz für mich allein.
Es sollte ein toller Tag werden, und er fing auch wunderbar an. Dank der WSW-App bin ich perfekt aus dem Haus gekommen und stand nur zwei Minuten an der Bushaltestelle. Auf die Busse kann man sich in Wuppertal wirklich verlassen. Über die Bahn lässt sich das leider nicht sagen.
Am Hauptbahnhof angekommen, hieß es warten auf den RE4 Richtung Aachen. Auf der Anzeige standen zwei Minuten Verspätung. Kein Problem, dachte ich. Blöd nur, dass sich diese zwei Minuten fast im Minutentakt verdoppelten. Ich weiß nicht genau warum, aber in den letzten zwei Jahren hat sich auf den Schienen rund um Wuppertal scheinbar gar nichts verändert. Der fast halbjährige, komplette Stillstand für die Digitalisierung der Bahn hat offensichtlich nicht viel gebracht.
Es ist frustrierend, dass man einen solchen Zustand gefühlt nur in Deutschland erlebt. Vor ein paar Tagen kam mein Bruder aus seinem China-Urlaub zurück. Er ist dort vier Wochen lang mit Zügen gereist – komplett ohne Verspätung und in einer Reisequalität, die man in Deutschland vielleicht in Science-Fiction-Filmen zu sehen bekommt. Armes Deutschland! Wir buddeln, erneuern Strecken, bauen neue Bahnsteige und digitalisieren den gesamten Betrieb, während andere das schon vor zehn Jahren erledigt haben und nun Bahnen bauen, die mit 600 km/h übers Land rasen. Aber hey, wir sind in Deutschland schließlich auch Weltmeister – im Verspätungen-Sammeln.
Mein RE4 kam diesmal am Ende mit „nur“ 20 Minuten Verspätung in Wuppertal an. Eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man auf die Anzeigetafel schaut, wo der ICE nach München bereits seit über einer Stunde auf sich warten lässt. Das Schlimme ist: 20 Minuten Verspätung heißen noch lange nicht, dass es nicht noch absurder werden kann. Und das wurde es. Nicht viel, aber genug, um das Vertrauen in die Deutsche Bahn vollkommen zu verlieren. Besonders dann, wenn die freundliche Lautsprecherstimme verkündet, der Zug würde um 10:41 Uhr eintreffen und sich nett für die Verzögerung entschuldigt – während die Uhr bereits 10:48 Uhr anzeigt und der Hbf immer noch nicht in Sicht ist. In Japan hätten die Mitarbeiter aus Scham vermutlich Seppuku begangen.

Die Rückfahrt war übrigens kein Stück besser: Verspätung in Düsseldorf und eine noch größere Verspätung bei der Ankunft in Wuppertal.
Mein Fazit: Trotz der ganzen Aufregung und der riesigen Enttäuschung über die Bahn hat sich die Reise absolut gelohnt. Ich konnte wunderbar abschalten, und was ich in Düsseldorf alles vor die Linse bekommen habe, werde ich euch im Laufe der nächsten Tage hier zeigen!
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