Irgendwann geht alles zu Ende… leider auch unser Kurzurlaub in Schlesien.
Wir haben den letzten Tag mit einem ausgiebigen Spaziergang durch Dambinietz und die umliegenden Wälder und Felder verbracht. Diese Spaziergänge am letzten Urlaubstag sind bei uns inzwischen zu einer festen Tradition geworden. Noch einmal die Weite spüren, die vertraute Luft einatmen. Letzte Gespräche mit den Nachbarn, kurze Besuche bei der Familie… und immer schwingt die Frage mit: Wer weiß, wann wir das nächste Mal wieder hier sein werden? Die Welt verändert sich so schnell, dass ich schon vor zwei Jahren aufgehört habe, Pläne zu machen. Es lohnt sich einfach nicht.

Was diesen Abschied jedoch so besonders schwer macht, ist das Wissen, wen man hier zurücklässt. Meine Eltern bleiben hier, und sie sind inzwischen in einem hohen Alter. Jeder Abschied tut weh, doch mit der Zeit mischt sich eine neue, leise Angst unter den Schmerz. Wir alle sind älter geworden, und bei jedem „Auf Wiedersehen“ drängt sich der Gedanke auf, ob es vielleicht das letzte Mal gewesen sein könnte.
Eigentlich startet unsere Reise erst mitten in der Nacht, wenn das Dorf noch schläft. Doch der wahre Abschied findet schon jetzt statt, im warmen Licht der Küche. Wir sitzen am Tisch, die Stimmen sind leiser als sonst. Es ist dieses letzte Gespräch, bei dem man eigentlich alles Wichtige sagen möchte und am Ende doch nur über Belanglosigkeiten spricht, um nicht weinen zu müssen.
Ich drücke meine Mutter noch einmal fest an mich. In dieser Umarmung liegt alles – die Dankbarkeit für die gemeinsamen Tage und die Sorge, die man nicht laut aussprechen will. Wir verabschieden uns jetzt von allen im Haus, damit wir später niemanden mehr aus dem Schlaf reißen müssen.
Wenn wir dann in die Dunkelheit hinausgehen, wird es still sein. Keine lauten Worte mehr, nur das leise Zuschlagen der Autotür. Es fühlt sich fast wie eine Flucht an, sich so davonzustehlen, während die Liebsten schlafen. Aber vielleicht ist es der einzige Weg, das Herz nicht noch schwerer zu machen. Der Motor startet, das Licht im Flur erlischt, und wir lassen die Heimat im Schutz der Nacht hinter uns.
