Schlesien ist, wie ganz Polen, tief im katholischen Glauben verwurzelt – ein Erbe, das man an jeder Ecke spüren kann. Überall im Land begegnet man kleinen und großen Kapellen, die still am Wegesrand wachen. Vor gut 150 Jahren wurden diese Bauwerke noch kunstvoll aus Holz errichtet, bevor man später dazu überging, sie massiv zu mauern.
Dieses besondere Exemplar hier steht im Freilichtmuseum von Oppeln. Dass sie heute noch so prachtvoll und intakt dasteht, ist keine Selbstverständlichkeit; es fließt viel Herzblut, Arbeit und Geld in diese Objekte, um sie vor dem Vergessen und dem Verfall zu bewahren.
Bald werde ich mich an die Bearbeitung der restlichen Bilder machen, auch wenn ich diesmal gar nicht so viele Aufnahmen gemacht habe. Warum? Weil ich die seltene Gelegenheit genutzt habe, die Museumsführer ein wenig „auszuquetschen“. Da kaum Touristen unterwegs waren, schienen die „Erzähler“ förmlich darauf zu warten, ihr Wissen preiszugeben.
Und ich, der so gerne zuhört, wenn jemand lebendig aus der alten Zeit berichtet, habe die Chance voll ausgekostet. An einem der alten Häuser stand ich über eine Stunde lang mit einer sehr sympathischen älteren Dame zusammen. Es war ein Geschenk, jemanden zu treffen, der die Geschichten von damals noch so spannend erzählen kann. Solche Begegnungen machen den Besuch erst wirklich wertvoll.
Es ist wirklich schade, dass ich nicht noch tiefer nach der Geschichte dieser speziellen Kapelle gebohrt habe. Aber nach über einer Stunde war die Geduld meiner Begleiter dann doch am Ende; sie waren schon recht angefressen, da wir an diesem Tag noch so viel anderes auf dem Programm hatten. Wenn man erst einmal in diese alten Geschichten eintaucht, vergisst man leicht die Zeit – auch wenn die Mitwanderer schon ungeduldig mit den Hufen scharren, weil sie noch mehr vom Gelände erkunden wollen.
