Unterwegs mit WSW

Einen Tag mit dem ÖPNV unterwegs sein – geplant hatte ich das schon lange. Bisher fehlte mir immer das gewisse Etwas. Doch jetzt habe ich das Deutschlandticket, und dem Vorhaben steht wirklich nichts mehr entgegen. Also habe ich heute Morgen die Tasche gepackt: Einfach raus und sich treiben lassen. Weit weg sollte es gar nicht gehen; fürs Erste reicht es völlig, mein Wuppertal aus der Sicht des Passagiers neu zu entdecken. So sieht man viel mehr und erlebt erst recht Geschichten.

Bewaffnet mit einer WSW Bus-App wollte ich naiv glauben, dass alles ganz einfach wird. Wenn man Schwebebahn fährt, kann schließlich nichts passieren: Entweder Richtung Vohwinkel oder eben Oberbarmen. Mit den Bussen ist es allerdings komplizierter. Das erinnerte mich an eine Geschichte von vor vielen Jahren: Nach einer stundenlangen Nachtfahrt musste ich meinen Wagen in der Werkstatt abgeben. Danach wollte ich nur kurz für ein paar Haltestellen in den Bus steigen – am Ende landete ich zehn Kilometer vom Ziel entfernt, weil ich den falschen Bus erwischt hatte. Ich bin dann lieber zu Fuß nach Hause gelaufen. Das war mir sicherer.

Heute war es nicht viel anders. Wahnsinn! Nicht, dass ich dumm wäre – okay, ein bisschen verrückt vielleicht. Aber wenn die App sagt, ich soll die Linie 618 nehmen, dann nehme ich die 618. Das kleine Problem: Sie fuhr in die falsche Richtung. Gut, dass ich es bemerkte und drei Haltestellen später aussteigen konnte. Wenn das die Zukunft meines Reisens sein soll, bleibe ich lieber zu Hause … oder gehe direkt zu Fuß. Bevor ich die Haltestelle für die Gegenrichtung fand, war der Bus zurück natürlich abgefahren. Es war nicht zu fassen! Beladen mit einem schweren Rucksack voller Linsen, zwei Wasserflaschen gegen den Durst und allem Möglichen – ein Glück nur, dass das Stativ zu Hause geblieben war.

Später wagte ich noch einen Versuch im Bus. Das wäre auch fantastisch gewesen, wenn ich nicht prompt zwei Haltestellen zu spät ausgestiegen wäre. Wie haben wir das früher eigentlich ohne Smartphone geschafft, wenn ich heute selbst mit digitaler Hilfe das Ziel verfehle?

Den Rest des Tages verbrachte ich lieber in der Schwebebahn. Die verfährt sich nicht – oder besser gesagt: In ihr kann ich mich nicht verfahren. Schade nur, dass ich für den Heimweg wieder die Wahl zwischen Bus und eigenen Beinen hatte. Ich habe mich für die Beine entschieden.

Entstanden ist an diesem Tag eine kleine Serie, mein Versuch in Streetfotografie. Auf der EOS R hatte ich eine meiner alten Linsen, um das Ganze bewusst zu entschleunigen. Trotz allem waren es ein paar fantastische Stunden. Und die Busse sowie die Schwebebahn waren pünktlich – für Spezialisten wie mich gilt eben: Lieber eine Stunde früher losgehen und die Fahrtrichtung zweimal prüfen.

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