Wenn der Regen kommt: Trost aus dem Archiv

Noch bevor mein beruflicher Orientierungskurs gestartet ist, habe ich versucht, jede freie Minute für Spaziergänge zu nutzen – ganz egal ob lang oder kurz. So, als wolle ich die verpasste Zeit der letzten Wochen aufholenderweise zurückholen. Aber wir wissen es eigentlich besser: Meistens gelingt das nicht. Ein wunderschöner Tag, verbracht vor dem Fernseher oder dem Rechner, bleibt eben verflogen.

Das spürt man erst in dem Moment, in dem draußen der erste Regen gegen die Scheibe klopft. Wenn auf einen trüben Tag ein zweiter und ein dritter folgen, die alles bieten, nur keine Einladung zum Rausgehen – erst recht nicht mit der Kamera in der Hand. Erst dann meldet sich das Bewusstsein leise, aber bestimmt:

Mensch, wo war ich eigentlich die ganze Zeit?

Ein typisches menschliches Muster. Mit den Regentropfen kommen oft das Stimmungstief und dieses leise, bohrende Gefühl, eine Chance verpasst zu haben. Fast automatisch sucht die Psyche nach einem Ausweg, um den Kontrollverlust auszugleichen: Es wird schon nicht den ganzen Herbst so weitergehen. Schnell gibt man sich selbst ein kleines Versprechen und wartet voller Hoffnung auf den nächsten trockenen Tag.

Um den grauen Gedanken entgegenzuwirken, hilft oft ein Blick zurück. Ich hole mir die Bilder der letzten sonnigen Tage auf den Schirm, lasse die Motive des letzten Spaziergangs noch einmal vor dem inneren Auge vorbeiziehen und genieße. Wie gut, dass ich damals nicht auf der Couch sitzen geblieben bin, sondern da draußen die letzten warmen Lichtstrahlen aufgesaugt habe. So bleibt mir heute nicht nur die Gewissheit, das Richtige getan zu haben, sondern auch ein tolles Foto im Archiv – und die nötige Gelassenheit, um auf die nächste Sonne zu warten.

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