Vorgestern habe ich das schöne Wetter genutzt und bin endlich eine Runde gegangen, die ich schon lange vorhatte – aber irgendwie nie besucht habe. Diesmal gab es einen guten Grund: Abseits der bekannten UKW‑Hotspots verstecken sich ein paar Murals, die man nicht auf dem üblichen Weg durch die Stadt findet. Also raus aus der Routine und rein in ein kleines Abenteuer.
Mit dabei hatte ich eine analoge Auto Revuenon, ein Objektiv, das schon fast in Vergessenheit geraten war. Eigentlich schade, denn seine 35 mm Brennweite fühlt sich viel angenehmer an als die 28 mm meines PORST. Warum ich es so lange ignoriert habe? Keine Ahnung. Die Antwort bekam ich allerdings am Ende des Spaziergangs – aber bis dahin habe ich das Objektiv mit großer Freude genutzt.

Natürlich musste unterwegs etwas passieren: Irgendwann merkte ich, dass ich den Objektivdeckel verloren hatte. Typisch. Aber selbst das konnte meine Laune nicht trüben. Denn auf meinem Weg fand ich nicht nur sechs neue Murals, sondern auch viele andere spannende Motive, die ich nach und nach zeigen werde.
Gleichzeitig beginnt morgen die WM – ob ich dann noch genug Zeit zum Spazierengehen finde, wird sich zeigen. Heute jedenfalls wurde ich von meiner Therapeutin regelrecht zusammengefaltet: Die langen Tage am Rechner haben mir nicht gutgetan. Ich soll mehr raus, mehr Luft, mehr Bewegung. Und ja – die letzten Wochen waren Stress pur. Eigentlich sollte der ganze Blog‑Umbau schon Anfang Mai erledigt sein… aber dann kam eine Idee, dann die nächste… und jetzt stecke ich mitten in der Migration aller Bilder auf eine neue Galerie.
NextGEN ist nach 18 Jahren Geschichte auf czoczo.de. Die Umstellung ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber in ein paar Tagen sollte es geschafft sein. Dann kann ich hoffentlich endlich einen Haken an dieses Kapitel setzen.
Heute aber möchte ich euch ein Mural von Zoer zeigen. Im UKW – Urbaner Kunstraum – wird dieses Werk unter dem Titel „L’œil du cyclone“ geführt. Copilot behauptet zwar, dass es offiziell kein Zoer‑Werk mit diesem Namen gibt, aber eines ist sicher: Das Mural ist von Zoer, und die UKW‑Leute wissen, was sie tun – schließlich haben sie selbst mit dem Künstler gesprochen.
Wer mehr über das Werk und über Zoer erfahren möchte, findet hier die passenden Infos:
Und das Zoer Mural selbst.
Das Mural zeigt eine sommerliche Szene, fast wie ein eingefrorener Filmstill: Ein gelber VW Käfer steht offen am Straßenrand, Menschen in lässiger Kleidung bewegen sich um ihn herum, als wären sie gerade auf dem Weg zum Strand oder mitten in einer Reise. Die Figuren wirken vertraut, alltäglich, aber gleichzeitig leicht entrückt – typisch für Zoer, der banale Momente in etwas Größeres verwandelt.
Die Fenster des Gebäudes sind geschickt in die Komposition integriert, sodass sie wie Teil der Szene wirken. Die Farbwelt ist klar, sonnig, mit starken Blau‑Gelb‑Kontrasten. Es ist ein Bild, das gleichzeitig Ruhe und Bewegung ausstrahlt – ein Moment zwischen zwei Momenten.-
Zoer (Frédéric Battle) ist ein französischer Künstler, der ursprünglich aus der Graffiti‑Szene kommt. Heute arbeitet er weltweit an Fassaden, Leinwänden und Installationen.
Sein Stil ist geprägt von:
- Hyperrealismus
- Objekten des Alltags (Autos, Maschinen, Werkzeuge, Verpackungen)
- Momentaufnahmen, die wie Standbilder aus einem Film wirken
- Materialität und Vergänglichkeit
- Starken, klaren Farben
Zoer interessiert sich für Dinge, die wir übersehen: verbeulte Autos, alte Gegenstände, zufällige Szenen. Er macht daraus Kunst, die gleichzeitig dokumentiert und poetisiert.
Seine Murals sind nie laut oder schrill – sie erzählen Geschichten, ohne sie auszusprechen.
Abspann/Schlussgedanke
Zum Schluss noch ein kleiner Gedanke zum Auto Revuenon 35mm: Ich wusste natürlich, dass alte analoge Objektive ihren ganz eigenen Charakter haben – genau das macht sie ja spannend. Diesmal hat das Revuenon mit seinem weichen, leicht matten Look vielleicht nicht ganz das geliefert, was ich mir erhofft hatte, und auch meine frisch gelernten Kniffe wollten nicht so recht greifen. Aber genau solche Ausflüge gehören dazu: Man probiert, man lernt, und manchmal überrascht einen das Ergebnis in eine andere Richtung als erwartet. Beim nächsten Spaziergang kommt dann wieder ein anderes Stück Glas mit – und die Reise geht weiter.
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