Da es gestern so schön war – ich habe euch ja die Holzkapelle aus dem Freilichtmuseum gezeigt – muss es heute leider etwas schneller gehen. Ich schreibe diesen Beitrag wirklich auf den letzten Drücker und greife dafür auf ein Bild aus unserem Urlaub zurück, oder besser gesagt: von unserem Kurzbesuch in Schlesien.
Jedes Jahr endet unser Aufenthalt dort mit demselben Ritual: einem Spaziergang. Ich habe darüber schon in diesem Jahr berichtet, aber ich glaube, auch schon vor zwei Jahren. Es ist dieser eine letzte Gang durch die Straßen und Felder, um noch einmal die Heimatluft tief einzuatmen und ein Stück davon mit nach Hause zu nehmen.
Selbst hier auf der Dorfstraße fahren um diese Zeit kaum Autos. Die Besucher aus Deutschland oder Holland sind längst abgereist; in Dembinietz ist es still geworden. Vor allem jetzt, da der Rest der Bewohner bei der Arbeit ist, herrscht eine wunderschöne Ruhe. Nur ab und zu hört man einen Hund bellen oder das Schnattern der Gänse von den Nachbarn. Es ist ein Tag, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird – ein Moment, der mir manchmal eine kleine Träne in die Augen treibt.
Eigentlich wollte ich euch aber etwas Besonderes zeigen: Gestern war es die Holzkapelle aus dem Museum, heute ist es diese gemauerte Kapelle hier. Die Einwohner haben sie noch vor dem Krieg mitten im Dorf errichtet. Sie ist weit mehr als nur ein Bauwerk; sie ist das Herz unserer Gemeinschaft.
Immer, wenn ein Bewohner aus Dembiniez verstirbt – ganz gleich, ob er noch hier lebte oder längst in der Ferne eine neue Heimat gefunden hatte – beginnt dort die Glocke zu läuten. Natürlich läutet sie nicht von alleine; es gibt jemanden im Dorf, der sie für den Verstorbenen erklingen lässt. So wissen alle Menschen hier: Ein Nachbar hat die Welt verlassen.
Es ist ein Klang, der die Zeit für einen Moment anhält und uns leise daran erinnert, dass unsere Wurzeln uns halten, egal wie weit der Wind uns fortgetragen hat.
