Ich weiß auch nicht genau wieso, aber in letzter Zeit greife ich für meine Spaziergänge immer öfter zu meinen alten, analogen Objektiven. Nicht unbedingt, weil sie die absolut „geilste“ Bildqualität liefern, sondern weil sie so herrlich leicht und kompakt sind. Mein Canon RF-Brocken ist zwar eine perfekte Linse, aber anscheinend brauche ich momentan einfach etwas, das mich aus meiner Komfortzone herauslockt. Nicht nur stumpf auf dem Zoom-Knopf herumdrücken und weitergehen…
Hier ist plötzlich wieder echtes Handwerk gefragt! Es geht nicht nur um die bloße Idee für ein Motiv, sondern um das Gefühl beim Fotografieren. Ich will selbst entscheiden, was wie scharf gestellt wird. Deshalb fotografiere ich mit den analogen Linsen fast ausschließlich voll manuell. Zurück zu den Wurzeln, sozusagen.
Diesmal hatte ich mein PORST 28mm Weitwinkel dabei – eine Linse, die mich von Mal zu Mal mehr überrascht. Schade eigentlich, dass es nur 28mm sind… Ich hätte dieses Schmuckstück wirklich gerne als 35mm oder sogar 50mm Variante in meiner Tasche. Als ich das Objektiv damals erworben habe, war ich völlig baff, wie neuwertig der Zustand war. Alles bewegt sich so wunderbar geschmeidig. Vielleicht habe ich es auch deshalb so liebgewonnen – man vergisst fast, dass man mit einem so alten, analogen Schätzchen unterwegs ist.

Heute möchte ich euch das Ergebnis eines kleinen Experiments zeigen. Eigentlich sind 28mm nicht gerade die erste Wahl für die Naturfotografie. Die Naheinstellgrenze von 35 Zentimetern klingt zwar auf dem Papier recht nah, aber durch den Weitwinkel-Effekt ist man meistens trotzdem zu weit weg, um feine Details einzufangen. Es ist nun mal kein echtes Makro-Objektiv.
Und trotzdem habe ich es einfach mal versucht. Wie man auf dem Foto unschwer erkennen kann: So schlecht ist das Ergebnis gar nicht geworden, oder was meint ihr?
Gemini’s Klugscheißer-Ecke
- Name: Große Brennnessel (Urtica dioica)
- Was ist das? Eine extrem anpassungsfähige, ausdauernde Wildpflanze, die fast überall an Wegrändern und in Wäldern wächst. Wegen ihrer wehrhaften Brennhaare wird sie von Spaziergängern oft gemieden.
- Welche Vorteile bringt sie? Sie ist ein echtes Superfood und eine mächtige Heilpflanze! Die Blätter enthalten viel Eisen, Kalzium und Vitamin C. Sie wirkt stark entwässernd, entzündungshemmend und wird gerne als Tee zur Entschlackung oder bei Gelenkschmerzen genutzt.
- Nutzen für die Natur: Für die Tierwelt ist sie unverzichtbar. Sie dient den Raupen von über 30 heimischen Schmetterlingsarten (wie dem Tagpfauenauge oder dem Admiral) als absolut lebensnotwendige Futterquelle.
- Spannender Geschichts-Fakt: Bevor Baumwolle billig importiert wurde, war die Brennnessel über Jahrhunderte hinweg ein wichtiger Rohstoff für Kleidung! Aus ihren extrem reißfesten Stängelfasern stellte man das sogenannte „Nesseltuch“ her. Sogar die Armee-Uniformen im Ersten Weltkrieg wurden teilweise aus Brennnessel-Fasern gewebt, weil es an Baumwolle mangelte.
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