Unser Spaziergang letzte Woche am Schloss Benrath in Düsseldorf hat uns nicht nur eine wunderbare Zeit und frische Luft beschert – etwas, das man bei der drückenden Hitze der vergangenen Tage viel zu selten genießen konnte –, sondern auch eine tiefe, fast schon vermisste Ruhe. Es war Entschleunigung pur.

Und obwohl wir hier sehr oft unterwegs sind, bleibt es jedes Mal spannend. Immer wieder eröffnen sich neue Blickwinkel auf das Schloss und seine Umgebung. Viele meiner Aufnahmepositionen wiederholen sich, was für meine Frau bis heute unerklärlich bleibt. Wie oft kann man das Schloss eigentlich aus exakt derselben Perspektive fotografieren? Ich mache es jedenfalls unheimlich gerne. Auch wenn die Bilder auf den ersten Blick gleich wirken mögen, unterscheiden sie sich in den Details. Und ganz besonders unterscheiden sie sich später, nach der Bildbearbeitung. Es ist wirklich faszinierend: Bei mir sieht ein und dasselbe Motiv nach der digitalen Entwicklung nie gleich aus, geschweige denn, wenn zwischen den Aufnahmen ein paar Monate liegen!

Doch man findet auch immer wieder neue, frische Standpunkte, die ich früher kaum beachtet habe und die fotografisch extrem reizvoll aussehen. Ohnehin gehöre ich zu den „Fotoknipsern“, die eine neu entdeckte Location erst mehrmals besuchen müssen, um am Ende einigermaßen vernünftige Bilder mitzubringen. Der erste Besuch lähmt mich oft förmlich: Entweder bin ich von dem, was ich sehe, so fasziniert, dass ich das Fotografieren schlicht vergesse. Oder ich bin so krampfhaft auf der Suche nach dem perfekten Blickwinkel, dass die Kamera ebenfalls ungenutzt bleibt. So bin ich eben.

Ein bisschen Geschichte am Rande Für alle, die das Schloss noch nicht kennen: Schloss Benrath wurde im 18. Jahrhundert unter Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach und Elisabeth Augusta als Jagd- und Lustschloss erbaut. Der Architekt Nicolas de Pigage schuf hier ein absolutes Meisterwerk des ausgehenden Rokoko und frühen Klassizismus. Das Besondere daran ist, dass das Gebäude architektonisch eine perfekte, symmetrische Einheit mit den weitläufigen Gärten und Kanälen bildet – ein Gesamtkunstwerk, in dem man wunderbar die Seele baumeln lassen (und fotografieren) kann.

Zum Abschluss noch eine Entdeckung, die ich abseits des überlaufenen Haupteingangs gemacht habe. Eine unscheinbare Seitentür, die vielleicht früher den Bewohnern den direkten Weg auf die Terrasse oder in den Garten ermöglichte. Es ist eine einfache, weiße Holztür, umrahmt von einem reichen Stuck-Dekor an der rosafarbenen Fassade. Solche architektonischen Details können in einer so prachtvollen Immobilie einfach wunderschön sein. Gut, der Zustand der Lamellenläden … sie bräuchten auf jeden Fall dringend einen frischen Anstrich. Aber gerade dieser verwitterte Charme macht die Aufnahme so lebendig.

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