
Seit über einem Monat gibt es hier gefühlt kaum ein anderes Thema als den Umbau von czoczo.de. Wie oft habe ich mir schon vorgenommen: „Jetzt ist Schluss! Es reicht!“? Und trotzdem ging es immer weiter. Doch nun ist ein Punkt erreicht, an dem ich mir endlich wieder Zeit für mich und meine eigentliche Leidenschaft nehme: die Fotografie.
Ach je, darüber habe ich zwar auch schon oft geschrieben, aber die Versuche mit alten manuellen Objektiven lassen mich einfach nicht los. Da ist dieser Überraschungseffekt, den man heute kaum noch kennt. Was landet diesmal auf der Speicherkarte? Wie viele Bilder sind trotz aller Mühe unscharf geworden, und welche Perlen lassen sich noch retten? Genau das macht für mich den Reiz der analogen Fotografie aus – auch wenn ich digital unterwegs bin. Der große Vorteil heute: Man bleibt nicht auf den Entwicklungskosten sitzen. Bilder werden gesichtet, bearbeitet oder landen – wenn sie nicht sofort gelöscht werden – im Archiv.
Es ist schon verrückt: Manchmal sortiere ich Bilder aus, nur um sie ein paar Wochen oder Monate später erneut anzusehen. Mit dem nötigen Abstand plötzlich der Aha-Moment: Ein Volltreffer! Man erlebt einen Augenblick, bewertet ihn kurz danach kritisch und entwickelt erst mit den Tagen oder Wochen ein ganz anderes Gefühl dafür. Das ist das Spannendste an der Fotografie.
Diesmal hatte ich das legendäre Helios 58mm auf meiner EOS R. Diese russische Linse sucht ihresgleichen! Ich besitze drei Stück davon. Eine liegt in Polen, eine andere ist leider kaputtgegangen – ja, auch die können den Geist aufgeben. Ich wollte sie zwar mal öffnen, um dem Fehler auf die Schliche zu kommen, aber bei meinen zittrigen Fingern wäre das sicher kein gutes Ende genommen. Also habe ich es gelassen. Aber ein voll funktionsfähiges Exemplar habe ich noch, und das war der Grund, um endlich mal eine echte Pause einzulegen.
Drei Tage später habe ich mir die Ergebnisse am Rechner angesehen. Und was soll ich sagen? Fantastisch. Die Linse liefert wirklich tolle Aufnahmen. Wenn alles stimmt und man sich bei der manuellen Schärfeeinstellung konzentriert, kann man kaum glauben, dass diese Bilder mit einem über 50 Jahre alten Glas entstanden sind.
Aber schaut selbst. Eines meiner meistfotografierten Motive in Wuppertal ist der Werther Brunnen. Ich wette, wenn man meine Galerien durchstöbert, findet man zig Bilder davon. Vielleicht stelle ich für das nächste Mal eine kleine Zeitreise-Präsentation zusammen. Doch obwohl ich den Brunnen als Beitragsbild gewählt habe, soll es hier eigentlich um etwas ganz anderes gehen: die Wuppertaler Baustellen.
Heute war ich in Barmen unterwegs. Ich würde wetten: Es gibt keine zweite Stadt in Deutschland, in der man an einer Baustelle steht und schon die nächste und übernächste sehen kann. So lässt sich das ganze Stadtgebiet – immerhin über 20 Kilometer lang – abwandern. Aktuell wird die Barmer Innenstadt komplett umgestaltet. Die gesamte Fußgängerzone ist seit Monaten eine Großbaustelle. Die Hoffnung ist groß, dass die Arbeiten nicht nur den Menschen gefallen, sondern auch künftigen Investoren Mut machen, leerstehende Geschäfte zu mieten und der Innenstadt wieder Leben einzuhauchen. Ich bin gespannt, ob sich das am Ende rechnet.



Ein wenig schade finde ich nur, dass an die Natur kaum gedacht wurde. Die tausenden Quadratmeter Beton werden sich bei Starkregen oder Hitzewellen sicher nicht positiv auswirken. Aber gut, die Planer haben studiert und wissen sicher, wie die Lage ist – oder zumindest, was man ihnen beigebracht hat.
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