Nature Thursday 2026 – #27

Endlich! Die drückende Hitze der letzten Woche hat uns wirklich verlassen. Man kann endlich wieder vor die Tür gehen, ohne Angst haben zu müssen, mit einem Hitzeschlag im Krankenhaus zu landen. Also nutzte ich diesen wunderschönen Tag für einen ausgiebigen Spaziergang.

Mein Ziel: der Skulpturenpark Waldfrieden hier in Wuppertal. Ein Ort, der nicht nur himmlische Ruhe, sondern auch eine Fülle an interessanten Fotomotiven bietet. Der Park ist ein echtes Ausflugsziel für Kunstkenner (und solche, die es werden wollen), wo Skulpturen in einer geradezu märchenhaften Waldkulisse präsentiert werden. Das bewaldete Gelände an einem von Wuppertals Hängen wurde vor Jahren von dem weltberühmten Künstler Tony Cragg gekauft. Es dient als Ausstellungsort für seine eigenen Werke, bietet aber auch den Arbeiten anderer Größen der Szene eine Bühne. Eigentlich wollte ich schon vor Monaten meinen ersten Besuch in diesem Jahr abstatten, aber wie das Leben so spielt: Ständig kam etwas dazwischen. Heute hat jedoch alles perfekt gepasst.

Man kann also sagen, es war das erste Mal in diesem Jahr, dass ich mich so richtig der Kunst gewidmet habe. Aber Moment mal… was hat das eigentlich mit dem Nature Thursday zu tun?

Gute Frage! Genau das habe ich mich auf dem Weg auch gefragt. Ich hatte wirklich gehofft, im Park etwas Passendes für mein Nature Thursday-Projekt zu finden. Klar, Bäume und Natur gibt es dort reichlich, aber anfangs wollte mich nichts so richtig berühren. Zumindest so lange, bis ich an einer ganz bestimmten Skulptur vorbeikam: einer Arbeit von Mischa Kuball.

Da war sie: die perfekte Verbindung von Kunst und Natur! Der gesamte Park lebt von dieser Symbiose. Die Werke zwischen den Bäumen wirken oft so, als wären sie ganz natürlich genau dort gewachsen. Sie stören die Umgebung kaum, im Gegenteil – die Natur verleiht der Kunst einen lebendigen, wunderschönen Hintergrund. Schade nur, dass das Objektiv, das ich dabei hatte, mich nur mit Blende f/4 beglücken konnte. In manchen Situationen hätte ich mir wirklich etwas mehr Unschärfe im Hintergrund gewünscht, um das Motiv besser freizustellen. Aber gut, man nimmt, was man trägt.

Zurück zu Mischa Kuball und seinem Werk rotating_mirror_horizontal.

Versteckt zwischen den Bäumen wirkt die Installation wie ein organischer Teil des Ganzen. Das liegt vor allem an den verspiegelten „Flügeln“, die die Umgebung reflektieren und sich angeblich sogar ganz langsam drehen. (Das habe ich allerdings erst später irgendwo gelesen, als ich Material für diesen Beitrag gesammelt habe). Vor Ort habe ich von dieser Drehung nämlich rein gar nichts mitbekommen – vielleicht war ich einfach zu ungeduldig oder stand nicht lange genug still, um es zu merken. Aber wenn dem so ist, macht das die Arbeit in meinen Augen nur noch großartiger.

Die Konstruktion ist ein visuelles Meisterwerk: Die rotierenden Spiegelflächen brechen die Umgebung auf und setzen sie neu zusammen. Sie zeigen simultan zwei Welten – das Oben und das Unten – und spiegeln gleichzeitig die Wirklichkeit, die sich dahinter verbirgt. Durch die (wenn auch von mir unbemerkte) sanfte Rotation gerät die Statik des Waldes in eine fließende Bewegung. Alles in einem einzigen, flüchtigen Moment. Fantastisch!

Auch Tony Cragg nutzt oft spiegelnde Materialien für seine Arbeiten, aber diese sind in der Regel statisch. Obwohl ihre Wölbungen faszinieren, hat man sich irgendwann daran sattgesehen. Bei Kuballs Installation hingegen hat man eine lebensechte, dynamische und kristallklare Spiegelung der Natur. Durch die fragmentierte Reflexion des Waldes löst sich die Grenze zwischen Kunstwerk und Umgebung fast vollständig auf.

Eine perfekte Arbeit für den Nature Thursday – oder was sagt ihr dazu?

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