.Mit dem Mural „Viktor“ glaubte ich bereits, die Ostseite von Wuppertal im Kasten zu haben. Doch beim genauen Hinsehen wurde mir klar: Ein letztes Werk im Osten fehlt mir noch, das ich im Laufe der Woche ansteuern werde.

Damit ist die Spurensuche aber noch lange nicht vorbei. Rund 25 bis 30 Murals warten im gesamten Stadtgebiet noch darauf, von mir entdeckt zu werden. Da sie verstreut auf der anderen Seite von Wuppertal liegen, ist die Zeit der reinen Fußmärsche vorerst vorbei – jetzt muss das Auto ran. Oder ich hole mir endlich das Deutschlandticket, was auf Dauer deutlich umweltfreundlicher und billiger wäre. Der Diesel kratzt nach 12 Uhr mittags mit 2,37 € zwar noch nicht an seinem absoluten Allzeithoch, liegt aber schmerzhaft nah an der Grenze des Bezahlbaren. Eine Fahrt quer durchs Land wirkt da stellenweise teurer als ein Flug nach China. Zum Glück ist mein Urlaub vorbei, sodass ich mich nicht mehr ständig mit den Spritpreisen herumärgern muss. Und wo immer es geht, bleibe ich im Alltag sowieso am liebsten zu Fuß unterwegs.
Doch zurück zur Kunst an Wuppertals Fassaden: Das Mural „Viktor“ gehört zu jenen Werken, die dem Schaffen von Pina Bausch gewidmet sind. „Viktor“ ist ein legendäres Tanztheaterstück aus dem Jahr 1986 – unvergessen durch sein monumentales Bühnenbild aus Torferde und eine vielschichtige Collage aus Szenen, Eindrücken und Erinnerungen an Rom. Es gilt als eines ihrer erfolgreichsten Gruppenstücke und kreist um Tod, Erinnerung, menschliche Beziehungen sowie das Absurde des Alltags. Ein Werk über die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und den schleichenden Einfluss von Macht und Gewalt auf die menschliche Psyche.
Auf den ersten Blick hat mich das Wandbild vielleicht gar nicht so stark gepackt. Doch wenn man die Hintergründe kennt und versucht, das Stück dahinter zu verstehen, erschließt sich die Symbolik sofort. Es ist Kunst, die man nicht bloß im Vorbeigehen konsumieren kann; man muss sich hinter dem Gezeigten ein wenig bemühen. Wie so oft in der modernen Kunst offenbart sich die Kernbotschaft nicht auf den ersten Drücker. Wer sich jedoch darauf einlässt, begreift rasch, welch wertvollen Schatz wir hier an den Wuppertaler Fassaden hängen haben.
Ein kritischer Blick auf die Fassade
Beim Betrachten des Bildes spürt man förmlich, wie die schwere Erde des Tanztheaters auf den kalten Beton der Stadt trifft. Das Wandbild wirkt wie ein visueller Echoraum für Pina Bauschs Choreografie: Es übersetzt die Intimität, die Melancholie und die rohe Energie der Bühne in ein mächtiges, öffentliches Format. Die Häuserwand verwandelt sich in ein Theater, der zufällige Passant wird zum Publikum. Es reißt einen kurz aus dem alltäglichen Trott und fordert eine Pause des Nachdenkens ein. Die Komposition verbindet antike Monumentalität mit einer zutiefst menschlichen Verletzlichkeit.
Hinter dem Werk: Alice Pasquini (Alicè)
Verantwortlich für dieses Werk ist Alice Pasquini, bekannt als Alicè – eine aus Rom angereiste, weltweit gefeierte Künstlerin. Ihre Arbeiten prägen den öffentlichen Raum in über 100 Städten weltweit und werden in Galerien wie Museen gleichermaßen geschätzt. Alicè verbindet Streetart mit klassischer Malerei und visueller Kommunikation, was auch Kooperationen mit Marken wie Nike, Canon, Canada Goose und Ford zeigt.
Ihre Werke wurden an renommierten Orten wie der Saatchi Gallery in London, dem MACRO in Rom, dem Espace Pierre Cardin in Paris und der Amerikanischen Botschaft in Rom ausgestellt. Selbst die Treccani-Online-Enzyklopädie führt sie, während internationale Medien wie die International New York Times, das Wall Street Journal, La Repubblica sowie Sender wie RAI, Sky Arte und Arte TV regelmäßig über ihr Schaffen berichten. Wer tiefer in ihre visuelle Poesie eintauchen möchte, findet auf ihrer Website ein beeindruckendes Portfolio voller lebendiger Farben und ausdrucksstarker Porträts.
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Liebe Elke,
Danke für dein Besuch und Kommentar…
Ich hab voll vergessen in meinem Text die Breanna O’Mara zu bennen… Gut das Du das gemacht hast . Danke!
https://www.pinabausch.org/de/person/breanna_o_mara hier kann man sich n och ein paar Infos lesen
Liebe Grüße czoczo
Hallo Marius,
mich packt dieses Wandgemälde schon auf den ersten Blick. Ich finde es ausgesprochen ausdrucksstark. Ergänzen möchte ich noch den Namen der hier dargestellten Tänzerin: Breanna O’Mara. Sie war von 2014 bis 2019 Tänzerin im Tanztheater Wuppertal. Sie hat in dieser Zeit in mehr als 15 Stücken von Pina Bausch getanzt. Wenn man Bilder von ihr aus ihrem täglichen, ungeschminkten Leben sieht, kann man kaum glauben, wie ausdrucksstark sie beim Tanzen wirkt.
Wuppertal hat echte Schätze an den Häusern, toll!
Herzliche Grüße – Elke