Fernwärme in Wuppertal

Manchmal stehe ich in Wuppertal vor den Fernwärmeleitungen und frage mich ernsthaft, ob da überhaupt jemals heißes Wasser durchfließt. Wenn man sich manche dieser oberirdischen Rohre so anschaut, erwartet man ja eigentlich ein filmreifes Schauspiel: Wenn da echter, kochender Dampf durchrauschen würde, müsste doch zumindest irgendwo eine kleine, charmante Dampfwolke aufsteigen. So ein nostalgisches Pfffff, wie bei einer alten Dampflokomotive. Aber nein – alles trocken, alles absolut ruhig. Fast schon verdächtig ruhig.

Vielleicht bin ich da aber auch einer ganz großen Sache auf der Spur und das ist der eigentliche Geniestreich: Arbeitet die Wuppertaler Fernwärme etwa so effizient, dass die Natur heimlich als Partner eingestellt wurde?

Wer genau hinsieht, bemerkt es: Moos, Flechten und winzige grüne Teppiche wachsen völlig tiefenentspannt an den Rohren entlang. Es sieht aus, als wären die Leitungen Teil eines geheimen, urbanen Biotops. Ich nenne das mal: Ökologische Dämmung 2.0 – komplett bio, extrem CO2-neutral und garantiert ohne TÜV‑Zertifikat. Da kann sich jeder Baumarkt noch eine Scheibe von abschneiden.

Aber Spaß beiseite und weg von meiner optischen Skepsis: Hinter dieser leicht verwitterten Industrie-Ästhetik steckt ein System, das sich wirklich sehen lassen kann. Die Wärme in unseren Wohnzimmern kommt nämlich nicht aus dem Nichts, sondern direkt aus dem Müllheizkraftwerk Korzert und der modernen Kraft‑Wärme‑Kopplung in Barmen. Das bedeutet: Strom und Wärme werden in einem Abwasch gleichzeitig erzeugt.

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