Ich muss ehrlich zugeben: Ich war schon auf vielen Turnieren, aber was der HSV Wuppertal hier mit dem Neujahrscup auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend. Innerhalb von nur einem Jahr (letztes Jahr war Premiere) hat sich das Ganze zu einer fast semiprofessionellen Veranstaltung entwickelt – und das trotz eines Termins, den eigentlich nur Pinguine lieben können.
Vom Auslachen zur Begeisterung
Rückblick: Als mein Sohn vor zwei Jahren mit der Idee um die Ecke kam, habe ich ihn ausgelacht. Wer macht bitteschön ein Jugendturnier im tiefsten Winter, mitten in der Weihnachtspause? Die Leute wollen Ruhe und nicht ihre Töchter bei Minusgraden durch die Gegend kutschieren. Tja, wie so oft im Leben: Ich habe mich gewaltig getäuscht!
Trotz Chaos auf den Straßen und gefühlt einem halben Meter Neuschnee (vielleicht war es etwas weniger, aber draußen war alles strahlend weiß) standen fünf von sechs gemeldeten Mannschaften pünktlich in der Halle. Und bei dieser „Aura“ standen die Helfer tatsächlich draußen am Grill, um Fans und Teams zu bewirten. Hut ab – das ist wahre Leidenschaft!
Anpfiff mit Hindernissen
Geplant waren 10 Spiele à 25 Minuten, insgesamt sechs Stunden Handball pur. Wie das bei solchen Events so ist: Der erste Anpfiff verzögerte sich wegen einer technischen Störung kurz, aber dann ging es Schlag auf Schlag.
Das Eröffnungsspiel bestritten der Gastgeber HSV Wuppertal gegen den HSV Solingen-Gräfrath. Genau jener Gegner, gegen den sich unsere Mädels zuletzt so schwergetan und nur mit Glück ein Remis geholt hatten. Eine harte Aufgabe, wenn man gerade erst aus dem Bett gekrochen ist!
Lektionen für die Regionalliga
Die Wuppertalerinnen hielten lange einen Vorsprung von zwei Toren. Doch Trainer-Wort hielt: „Heute spielt jeder! Es geht nicht darum, in der eigenen Halle zu dominieren, sondern das Teamgefühl zu stärken.“ Ein solches Turnier bietet die Chance, dass die jüngeren oder spiel schwächeren Mädchen Verantwortung übernehmen und von den Erfahrenen lernen.
Diesmal war der Druck vielleicht ein Quäntchen zu groß. Der Vorsprung schmolz gegen starke Solingerinnen dahin. Was mich überraschte: Das Trainerteam griff nicht ein, nahm keine Auszeit, sondern ließ die Mädels bis zum Ende kämpfen. Eine richtige Entscheidung! Wer in der Regionalliga spielt, muss lernen, in jeder Minute alles zu geben. Diese knappe Niederlage mit zwei Toren Rückstand tut weh, ist aber eine wertvolle Lektion für die Entwicklung.
Der Krimi gegen Tönisvorst
Im vierten Spiel wartete der Favorit: Die Zweitvertretung aus Tönisvorst. Deren erste Mannschaft führt ungeschlagen die Regionalliga, und auch die Zweite ist bärenstark – was sie mit einem 23:5 gegen Aldekerk eindrucksvoll bewiesen hatten.
In der eigenen Halle „wegpoliert“ zu werden, ist nicht cool. Der Coach stellte um und ließ die Formationen taktisch klug rotieren. Der Plan ging auf! Der HSV Wuppertal gewann das Spiel und blieb bis zum Ende im Rennen um den Pokal.
Ein emotionaler Abschied
Ich musste das Turnier leider vorzeitig verlassen, aber das Netz vergisst nichts: Die Mädels haben ein tolles Turnier gespielt und am Ende einen hervorragenden dritten Platz belegt (nur die Tordifferenz verhinderte eine bessere Platzierung). Gratulation!
Die Herren an der Pfeife: Souveränität pur
Was wäre ein Turnier ohne die Schiedsrichter? Ein besonderes Lob geht an das eingesetzte Duo und vor allem an einen jungen C-Jugend-Schiedsrichter. Man darf nicht vergessen: In der Hitze des Gefechts und bei dem Tempo der Regionalliga-Mädels den Überblick zu behalten, ist kein Pappenstiel.
Der junge Kollege hat das fantastisch gelöst. Er agierte wie ein „alter Wolf“ auf der Platte und hat den Mädels klipp und klar gezeigt, wo ihr Platz ist. Souverän, unaufgeregt und mit einer Autorität, die man in dem Alter selten sieht – da wächst ein echtes Schiri-Talent heran!
Zum Schluss ein persönliches Wort:
Danke an die Mädels und die Eltern für die Riesen-Überraschung!
Es hat mich sehr berührt. Ich werde euer Trikot mit Würde tragen (sobald es ankommt und passt 😉 ). Es ist mir eine große Freude, bei euren Spielen direkt von der Grundlinie aus zuzusehen, wie ihr den Handballsport lebt und lernt.


