Neuanfang mit 58 Jahren: Mein Abenteuer als Schleifer in Solingen

Wie ihr euch vielleicht erinnert, habe ich vor fast genau einem halben Jahr eine neue Arbeit gefunden. Ich weiß noch wie heute, wie sehr ich mich gefreut habe. Nicht, weil ich lange arbeitslos war – im Gegenteil, meine Zeit ohne Job dauerte gerade einmal 13 Tage. Davor war ich jedoch lange krank, und dieser Job fühlte sich für mich an wie ein Sprung in die Freiheit. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals zuvor so gefühlt habe wie an diesem Tag und in der Zeit danach. Ich habe förmlich darauf gebrannt, endlich wieder arbeiten zu dürfen. Ja, zu dürfen!
Alles schien perfekt: Die Kollegen waren klasse, die Atmosphäre in der Firma war unglaublich – so etwas hatte ich zuvor noch nie erlebt. Es gab jedoch eine kleine Herausforderung: Das, was ich dort lernen sollte, grenzte fast an Raketenwissenschaft.

Ich sollte Schleifer werden. Und das in einer Firma in Solingen – dem „Silicon Valley“ der Klingenproduktion. Früher wurden hier Schwerter und Säbel geschmiedet, heute kommt aus Solingen alles, was rasiermesserscharf ist: von Teppichmessern bis hin zu Präzisions-Skalpellen. Weltbekannte Riesen wie Wilkinson oder Gillette lassen hier produzieren. Und genau hier, zwischen all diesen namhaften Größen, steht die Firma Lutz Blades, bei der ich Anfang Oktober meine große Chance bekam.

Der Kampf gegen die eigene Unruhe

Ich stellte mich dieser Herausforderung mit einer Mischung aus Angst und riesiger Motivation. Doch der Alltag war alles andere als einfach. Schon nach wenigen Tagen merkte ich, dass der erste Eindruck täuschte: Die Arbeit war vielleicht nicht hochkompliziert, aber verdammt gefährlich – erst recht für einen „Chaoten“ wie mich.

Es verging kaum eine Woche, in der ich meine Finger nicht mit Tape verarzten musste. Immer wieder gab es kleine Schnittwunden. Mit der Zeit sah das wirklich blöd aus. Meine zitternden Hände waren das Problem – der starke Wille, es unbedingt zu schaffen, erzeugte eine Unruhe, die genau zum Gegenteil führte. Und dennoch: Es war die Arbeit, die ich machen wollte. Es war mir völlig egal, dass ich manchmal anderthalb Stunden für den Heimweg brauchte. Zum ersten Mal machte mir Arbeit so richtig Spaß.

Doch die Wochen verflogen, und ich spürte den Druck, den ich mir vor allem, selbst machte. Die Enttäuschung darüber, dass ich nicht so schnell lernte, wie ich wollte, brachte mich immer öfter aus der Ruhe. Nach zwei Monaten war ein durchgeschwitztes Shirt schon um halb sieben morgens mein Markenzeichen. Mein Teamleiter gab mir immer wieder den Rat: „Du musst ruhig bleiben. Unruhe ist hier der erste Schritt zur Verletzung.“ Manchmal half das, meistens aber nur kurz. Der Wille, es mir selbst und allen anderen mit 58 Jahren noch einmal zu beweisen, war so groß, dass er am Ende kontraproduktiv wurde.

Das Erwachen am Freitag, dem 13.

Ende Februar kam das Gespräch mit dem Meister. Sie waren begeistert von meinem Einsatz und meinem Willen – aber sie sahen auch, dass ich ständig unter Strom stand. An einer Schleifmaschine ist das eine gefährliche Kombination.

Am Freitag, den 13., wurde mir schließlich mit großem Bedauern mitgeteilt, dass ich meine Zukunft wohl woanders suchen müsse. Es fiel uns allen schwer. Ich verstand die Entscheidung vollkommen – wahrscheinlich hätte ich mir an ihrer Stelle selbst gekündigt. Trotzdem hoffte ich bis zuletzt, vielleicht irgendwo anders in der Firma Fuß fassen zu können. Es blieben mir nur noch zwei Tage. Der Dienstag sollte mein letzter Arbeitstag sein.

Die Ironie des Schicksals

Es kam jedoch anders. Mein letzter Tag war bereits der Montag, der 16. März – und das nicht ganz freiwillig. Mein fast letzter Handgriff des Tages war es, einen geschliffenen Ring zu verkleben. Danach hätte ich nur noch die Dokumentation ausgefüllt und mich in den Feierabend verabschiedet.

Doch beim Verkleben passierte es: Ich geriet so unglücklich an eine Klinge, die noch in der Maschine steckte, dass sie sich zwei Zentimeter tief in meinen Unterarm bohrte. Man gönnt sich ja sonst nichts – am vorletzten Tag steckt mir dieses rasiermesserscharfe Ding im Arm. Das Beste daran? Ich habe den Schnitt nicht einmal gespürt. Wenigstens hatte ich also gute Arbeit geleistet: Die Klinge war saucharf.

Statt Feierabend hieß es nun Krankenhaus und Nähen. Damit endete mein Abenteuer beim Klingenhersteller schon am Montag. Ein Abgang mit echtem Solinger Schliff, sozusagen. Vielleicht sind am Ende alle Beteiligten erleichtert, dass ich jetzt weg bin – nur mit diesem einen kleinen Schnitt im Unterarm. Denn es hätte viel schlimmer kommen können: Die Klinge hätte auch im Auge oder im Hals landen können.

Ein Wort des Dankes

Zum Schluss möchte ich mich von Herzen bedanken. Danke an alle meine Arbeitskollegen für dieses halbe Jahr, für die Geduld und die Kameradschaft. Danke an die Chefs und die gesamte Belegschaft für die Chance, die ihr mir gegeben habt. Es tut mir aufrichtig leid, dass ich anscheinend nicht der Richtige für diese spezielle Aufgabe an der Maschine war.

Und dennoch: Ich trage kein Bitternis in mir. Ich bin glücklich, dass ich diesen Neuanfang mit 58 Jahren gewagt habe. In mir brennt trotz des Unfalls ein Gefühl von Stolz. Stolz darauf, dass ich nicht stehen geblieben bin, sondern gesprungen bin – auch wenn die Landung diesmal etwas unsanft im Krankenhaus endete.

Ein Rat an alle, die in einer ähnlichen Situation stecken:

Vielleicht liest das hier jemand, der sich auch in einer schwierigen Lebenslage befindet oder vor einer großen beruflichen Veränderung steht und zweifelt. Mein Rat an euch: Habt keine Angst vor dem Versagen. Das wirkliche Versagen ist nicht, eine Aufgabe nicht zu schaffen. Das wirkliche Versagen ist, es aus Angst erst gar nicht zu versuchen. Ein Neuanfang – egal in welchem Alter – ist immer ein Gewinn an Erfahrung. Ich habe in diesen sechs Monaten mehr über mich gelernt als in manchen Jahren zuvor. Ich habe gesehen, dass ich noch brennen kann, dass ich Willen habe und dass ich bereit bin, zu lernen. Dass es am Ende an der Feinmotorik und der inneren Unruhe scheiterte, ist eine fachliche Erkenntnis, keine persönliche Niederlage.

Nehmt die Chancen an, die das Leben euch bietet. Manchmal ist ein Weg nur dazu da, uns zu zeigen, wo unsere Grenzen liegen – damit wir den nächsten Weg mit noch mehr Klarheit gehen können.

Und jetzt?

Wie es aussieht, werde ich in naher Zukunft wieder mehr Zeit für diesen Blog und für euch haben… sobald der Schmerz über das „Nicht-Gepackt-Haben“ ein wenig abgekühlt ist. In der Zwischenzeit werde ich natürlich weiter nach einer neuen Herausforderung suchen – nach einer Aufgabe, die mir einfach die Ruhe lässt, so zu funktionieren, wie es meine Gesundheit und meine psychische Situation erlauben.

Was ist passiert?

storung
Plötzlich sehe ich keine Bilder mehr auf czoczo.de.

Ist das nur bei mir so? Bisher habe ich keine Meldung von euch bekommen – oder es hat einfach noch niemand bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Ich bin bereits intensiv auf der Suche nach einer Lösung, habe aber bisher nichts Verdächtiges gefunden.

Falls jemand von euch eine Idee hat, woran es liegen könnte, meldet euch bitte! Ein Fotoblog ohne Bilder – das kann einfach nicht sein.

Wie es aussieht, wird das ein arbeitsreicher Sonntag werden.

Nachtrag… Problem Gelöst!
Dankd en WordPress Support Foren und einen Einsatz von Hans-Gerd, der wie es aussieht eine echte WordPress Enziklopedie ist

Deutsche Bahn: Wuppertaler Baustellen-Idylle

Bilderbuchwetter in Wuppertal. Die Sonne lacht, der Himmel ist strahlend blau – fast schon zu schön, um wahr zu sein. Man fragt sich unweigerlich: Wie lange noch? Laut Wetter-App soll es bereits heute Abend schneien. Doch woraus eigentlich? Bei diesem wolkenlosen Himmel grenzt die Vorhersage schon an Optimismus, den sonst nur Projektplaner der Bahn an den Tag legen.

Kalt ist es allerdings geworden – oder sagen wir es direkt: saukalt. Heute Morgen, oder besser gesagt noch in der Nacht, hatten wir frostige -6 °C. Dank der ersten Sonnenstrahlen hat es sich mittlerweile auf „angenehme“ 2 °C hochgearbeitet. Eigentlich die beste Gelegenheit, um der Baustelle am Hauptbahnhof einen Besuch abzustatten, die uns in Wuppertal seit einer Woche den letzten Nerv raubt.

Die DB-Anzeigetafel: Hoffnungsschimmer oder optische Täuschung?

Eigentlich hieß es, das Ganze soll bis Juni dauern. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Ein Blick durch den Bauzaun auf die digitalen Überreste der Fahrgastinformation am Bahnsteig (Perron) verrät Erstaunliches: „Bauarbeiten bis 20.02.26 um 21 Uhr. Kein Zugverkehr.“

Sollte dieses monumentale Projekt etwa in nur wenigen Tagen abgeschlossen sein? Ein verfrühtes Wunder im Februar? Oder will die Deutsche Bahn den zufälligen Besuchern, die einen sehnsüchtigen Blick hinter den Zaun werfen, einfach nur ein wenig Hoffnung schenken?

Der Blick nach Osten: China vs. Wuppertal

Man kommt nicht umhin, Vergleiche zu ziehen. In China zieht man solche Infrastruktur-Projekte in ein paar Tagen, vielleicht einem Monat durch. Zugegeben: Dort wird 24/7 gearbeitet, auch sonntags. Dass ich heute am Sonntag keinen einzigen Arbeiter auf der Baustelle finden würde, war mir natürlich klar. Es grenzt fast schon an ein Wunder, dass die Busfahrer des Schienenersatzverkehrs (SEV) überhaupt noch pflichtbewusst ihren Dienst schieben.

Es bleibt unbegreiflich, warum bei solch wichtigen Projekten, die Hunderttausende Menschen betreffen, nicht der Einsatz massiv verstärkt wird. Warum wird hier nicht im Schichtbetrieb gearbeitet, um so früh wie möglich fertig zu sein? Auf diese Weise kriegt man vielleicht irgendwann die Bahnsteige fertig… aber was ist mit dem Rest des Bahnhofs?

Fazit: Die Kamera läuft mit

Schon vor ein paar Jahren habe ich den Umbau des Bahnhofsvorplatzes fotografisch begleitet. Es scheint an der Zeit, die Kamera wieder auszupacken und diese Chronik der Entschleunigung für die Ewigkeit im Netz zu verbreiten. Heute war mein erster Besuch – und sicher nicht der letzte.

Zumindest eines ist sicher: An Material für neue Berichte wird es mir im Wuppertaler Baustellen-Dschungel so schnell nicht mangeln. Bauinformation der DB

Blue Island

Mein erstes Aquarell des Jahres und die Kunst des Innehaltens

​Nach den täglichen Erlebnissen im Stau – Tag für Tag im Auto – war mir heute absolut nicht danach, schon wieder unterwegs zu sein oder etwas Neues draußen zu entdecken. Ich bin ehrlich froh, heute mal auf das Auto verzichten zu können.
​Zudem war das Wetter alles andere als einladend. Der vorgezogene Frühling, der uns letzte Woche lockte, war leider schon am Mittwoch wieder vorbei. Heute hielten sich die Temperaturen fast den ganzen Tag hartnäckig am Gefrierpunkt.


​Nein, das muss ich mir nicht antun! Es war stattdessen die perfekte Gelegenheit, endlich die Aquarellfarben herauszuholen. Es ist Wahnsinn, wie gut es tut, auf diese Weise abzuschalten und zu versuchen, die Ideen im Kopf auf das Papier zu bringen. Mein erstes Werk des Jahres: „Blue Island“.
​Ich überlege nun ernsthaft, ob ich nicht einen VHS-Kurs belegen sollte, um meine Techniken zu vertiefen. Das Malen ist für mich der perfekte Ausgleich zum Alltag.

Bahnstrecke Wuppertal Sperrung: Das Verkehrs-Chaos

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag schon vor einer Woche schreiben, aber die Ereignisse haben mich überholt. Die angekündigte Bahnstrecke Wuppertal Sperrung hat meine Terminplanung durcheinandergebracht. Ich hatte gelesen, dass es bereits am 1. Februar so weit sein sollte. Voller Erwartung fuhr ich am Samstag an die Gleise, um die letzten Züge zu sehen. Doch an der Haltestelle die Ernüchterung: Die Infotafel verkündete den 6. Februar als Stichtag.

Die Stadt ist durch die Bahnstrecke Wuppertal Sperrung unerträglich

Seit einiger Zeit ist der Verkehr in Wuppertal einfach nur noch eine Qual. Inzwischen dauert mein Heimweg von der Arbeit meist über eine Stunde. Ich frage mich ernsthaft, wie die LKW-Fahrer das aushalten. Vor 30 Jahren habe ich meine Brötchen selbst hinter dem Steuer verdient, aber an so eine extreme Situation kann ich mich nicht erinnern. Informationen zu aktuellen Umleitungen findest du auch auf der offiziellen Seite der Stadt Wuppertal .

Der nächste Gau: Schienenersatzverkehr und Stau

Und jetzt kommt der nächste Tiefpunkt: Die Bahnstrecke Wuppertal Sperrung wird für ein halbes Jahr den kompletten Rhythmus der Stadt stören. Für die Pendler bedeutet das Schienenersatzverkehr. Busse, die in dem ohnehin schon herrschenden Chaos für noch mehr Verstopfung sorgen werden.

Ein ernstgemeinter Rat: Meidet die Stadt während der Sperrung

Man muss es leider so deutlich sagen: Wer plant, Wuppertal in den nächsten sechs Monaten zu besuchen – lasst es lieber. Mit dem Zug kommt ihr sowieso nicht an, ein Flughafen ist auch noch nicht gebaut (höchstens der Hubschrauberlandeplatz an der Helios Klinik wäre eine Option) und für das Auto braucht ihr Nerven aus Drahtseilen.
Wer nicht zwingend hierher muss, sollte seinen Besuch auf den Spätsommer verschieben.

Europa am Scheideweg

Frühlingsgefühle und politisches Chaos

Das Wetter bei uns ist einfach wunderschön. Meine Frau hat sich inzwischen – wahrscheinlich durch mich angesteckt – schlafen gelegt. Also nutze ich die Gunst der Stunde und gehe eine Runde spazieren.

Natürlich ist wie immer meine Kamera dabei und ich habe einen Podcast auf den Ohren. Im Laufe der Zeit habe ich viele Podcasts gefunden, die ich mit großem Interesse verfolge. Solche einsamen Spaziergänge sind einfach die beste Zeit, um mal wieder richtig zuzuhören.

Seit ein paar Tagen höre ich mir vor allem politische Meinungen zur Weltlage an. Wahnsinn, wie schnell sich alles verändert – wie in einem Kaleidoskop! Was gestern noch aktuell war, ist heute Morgen schon wieder Schnee von gestern.

Apropos Schnee: Von winterlichem Wetter fehlt bei uns jede Spur. Wir haben Mitte Januar und es sind 9°C – und das mitten in der Nacht! Nicht schlecht, oder? Während das Klima draußen Frühlingsgefühle bekommt, wird es politisch auf der Welt leider immer frostiger. Aber lest selbst…

Wenn unser „Beschützer“ zum Angreifer wird

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Die NATO steht vor der größten Krise seit 80 Jahren. Ausgerechnet der Präsident der USA – dem mächtigsten Land im Bündnis – kündigt an, dass er Grönland übernehmen will. Eine Insel, die zu Dänemark gehört, einem unserer engsten Partner in der NATO und EU.
Diese Situation ist so unglaublich und schockierend, dass alles, was Trump vorher gemacht hat, dagegen harmlos wirkt. Ganz Europa steht unter Schock.

Es geht nicht um Sicherheit, es geht um sein Ego

Grönland ist nicht in Gefahr. Es gibt dort keine Bedrohung durch China oder russische Flotten. Sicher hätten die Russen gerne mehr Land, aber sie haben gar nicht die Mittel dafür. Außerdem könnten die Amerikaner durch die alten Verträge von 1951 jederzeit ihre Basen dort vergrößern. Dänemark ist ja bereit dazu.
Aber es geht hier gar nicht um Sicherheit. Es geht nur um das riesige Ego eines US-Präsidenten, der einen „Erfolg“ braucht. Er will das Territorium der USA vergrößern, egal zu welchem Preis – zum ersten Mal seit über 150 Jahren.

Europa muss endlich aufstehen

Wir in Europa wirken oft so hilflos, aber wir müssen uns endlich wehren! Auch in Amerika gibt es viele vernünftige Leute, die mit Angst zuschauen, was ihr Präsident da treibt.

    Zölle als Erpressung? Wenn Trump uns mit Zöllen droht, nur weil wir zu Dänemark halten, dann müssen wir genauso antworten.
    Kein Handel mehr? Wenn Trump uns den Rücken kehrt, dann handeln wir eben mehr mit Asien, Kanada oder Südamerika. Das wird Trump und seine Wähler am Ende am meisten wehtun. Niemand in den USA, der noch bei Verstand ist, will den Kontakt zu Europa wirklich abbrechen

.

Wenn wir in Europa hart bleiben und klar sagen, dass wir Grönland verteidigen, wird Trump nicht angreifen. Er braucht dafür die Zustimmung vom Kongress, und die wird er nie bekommen. Wenn wir zusammenhalten, wird es keinen Krieg um Grönland geben. Wir müssen nur endlich aufhören, alles einfach so hinzunehmen.

Wenn der Körper streikt und die Angst mitspielt

Eigentlich bin ich krank. So richtig krank. Nachdem ich am letzten Freitag noch mit letzter Kraft und der Hoffnung an der Maschine stand, dass das Wochenende alles richten würde, kam am Montag der Zusammenbruch. Ich stand nassgeschwitzt in der Arbeit, der Kreislauf am Boden. Das Wetter hat mich diesmal voll in die Knie gezwungen.


Seit Freitag wütet diese Grippe so stark in mir, dass mir inzwischen gefühlt ein paar Tage Lebenszeit fehlen. Am Montag habe ich noch versucht, mich in den Arbeitsanzug zu quälen, doch als der Schweiß schon floss, bevor die Maschine lief, musste ich diesen Wahnsinn abbrechen. Es reicht. Eigentlich hätte ich schon am Freitag die Reißleine ziehen müssen.

Aber man ist in der Probezeit. Mit 56 Jahren, nach gerade einmal drei Monaten im neuen Betrieb, versucht man krampfhaft, Stärke zu zeigen. Man will beweisen, dass man unzerstörbar ist, dass auf einen Verlass ist. Doch das ist eine kontraproduktive Einstellung, die ich in meinem Alter eigentlich längst hätte ablegen müssen.

Jetzt, wo das Fieber ein wenig nachlässt und der Kopf klarer wird, kriechen die Sorgen zurück: Was erwartet mich am Montag? Braucht ein Arbeitgeber wirklich einen Mitarbeiter, der nach so kurzer Zeit schon die erste Schwäche zeigt? Ein guter, sicherer Arbeitsplatz ist in Deutschland heutzutage Mangelware. Man überlegt zweimal, ob der Gang zum Arzt wirklich notwendig ist. Aber am Ende riskiert man nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der Kollegen.

Egal… ich muss jetzt noch ein paar Tage durchhalten, die Tabletten nehmen und gesund werden. Und am Montag sehen wir weiter, was passiert.