Der Tag begann eigentlich vielversprechend. Der Regen vom Vortag hatte sich verzogen, der Morgen zeigte sich freundlich, und ich hatte ein paar Dinge zu erledigen. Also dachte ich mir: Warum nicht zu Fuß nach Elberfeld? Ein bisschen Bewegung schadet nie, und die sechs Kilometer sind für so einen „jungen Hüpfer“ wie mich ja wirklich kein Drama.
Mit dabei war die Kamera – und, nach langer Pause, das alte HELIOS‑44M, das seit Wochen, wenn nicht Monaten, unberührt im Schrank lag. Dieses russische Glas ist ein kleines Wunderwerk: manchmal genial, manchmal völlig unbrauchbar. Eine Diva eben. Für bestimmte Motive fantastisch, für andere eine Katastrophe. Genau deshalb bleibt es meistens zu Hause. Aber heute durfte es mit, denn ich trage ohnehin nur noch ein Objektiv mit mir herum. Die Zeiten, in denen ich wie ein Packesel mit kompletter Ausrüstung durch Wuppertal lief, sind längst vorbei.
Der Plan war klar: zu Fuß hin, mit dem Bus zurück. Und weil ich schon mal unterwegs war, wollte ich mir bei den Stadtwerken gleich eine neue Deutschlandticket holen. Die alte lag seit zwei Jahren fast ungenutzt herum – damals sollte ich eine Tagesklinik in Elberfeld besuchen, bekam aber überraschend einen Platz direkt vor der Haustür. Seitdem fristete die Karte ein trauriges Dasein in der Schublade. Diesmal sollte sie endlich zum Einsatz kommen.
Tja. Das dachte ich zumindest.
In Barmen stellte ich mich brav an den Schalter. Der junge Mann dort war freundlich, aber seine Antwort traf mich wie ein nasser Waschlappen:
„Die Deutschlandticket gilt immer für den ganzen Monat. Heute ist schon der 8. Ich kann Ihnen erst ab nächsten Monat eine verkaufen.“
Ich war… sagen wir mal… irritiert. Innerlich dachte ich: „Was spielt das denn für eine Rolle, wann ich die Karte hole?“
Aber Regeln sind Regeln, und Bürokratie ist Bürokratie.
Gut, dachte ich, dann eben weiter nach Elberfeld. Vielleicht weiß der Kollege dort mehr.
Aber nein. Auch dort bekam ich dieselbe Antwort, dieselbe Freundlichkeit, dieselbe Enttäuschung. Immerhin bot man mir an, den Ticket per App zu kaufen – sofort, heute, ohne Probleme. Doch inzwischen war ich so angefressen, dass ich trotzig beschloss: „Dann eben gar nicht!“
Ein normales Ticket hätte ich natürlich auch kaufen können, um nicht zurücklaufen zu müssen. Aber ich bin stur. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann ziehe ich das durch. Also lief ich den ganzen Weg zurück.
Zwischendurch machte ich ein paar Fotos. Sie liegen jetzt auf dem Rechner, und – na ja – Begeisterung sieht anders aus. Das HELIOS ist eben ein Charakterobjektiv: Wenn das Licht stimmt, zaubert es Magie. Wenn nicht, dann produziert es Chaos. Für spontane „Alles-und-nichts“-Fotospaziergänge ist es manchmal einfach die falsche Wahl. Aber immerhin ist es leicht – und man schleppt sich nicht tot.
Moral des Tages
Manchmal läuft ein Plan nicht so, wie man ihn sich im Kopf zurechtgelegt hat.
Manchmal ärgern einen Regeln, die keinen Sinn ergeben.
Und manchmal läuft man doppelt so weit wie nötig.
Aber am Ende bleibt:
Ein Spaziergang, selbst ein frustrierter, ist immer noch besser als ein Tag, an dem man nichts erlebt.
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