Fast eine Woche ununterbrochene Gefangenschaft vor dem Monitor. Ich sage „fast“, weil ich am Mittwoch kurzzeitig Tageslicht sah – ein verwirrender Moment. Doch heute war es so weit: Der Blog ist (vorerst) bezähmt. Die große Enthüllung blieb zwar aus, weil im Netz ohnehin alles sofort live geht, aber das Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben, macht mich verdammt stolz.
Der Haken am Erfolg? Er macht Arbeit. Ich merke, wie der Blog hier und da ins Stocken gerät, also feile ich an den digitalen Ecken und Kanten. Das Schlimmste daran ist mein eigener Perfektionismus. Niemand beschwert sich, außer mir selbst. Vielleicht verrenne ich mich, aber egal. Heute zog ich den Stecker.
Raus aus der Stickigkeit der „czoczo.de“-Zentrale.
Weg von diesem quadratischen Monitor und dieser klappernden Tastatur – wie ich sie hasse! Jetzt begreife ich erst, warum Marco sie mir geschenkt hat. Es war kein Geschenk, es war Sabotage.
Ich nutzte das Kaiserwetter für eine Expedition zum Nordpark. 8.000 Schritte klingen nach Mittelmaß, aber der Aufstieg ist tückisch: Vielleicht nicht die steilste Wand der Alpen, aber gefühlt der längste Anstieg der Welt. Die Kamera ließ ich bewusst zu Hause. Mein Gang war nach der Woche am Schreibtisch ohnehin so unsicher, dass jedes Foto verwackelt wäre. Die ersten zwei Kilometer fühlten sich an, als müsste ich das Gehen erst neu lernen. Offenbar bin ich für diese „Extrem-Sitz-Experimente“ langsam zu alt. Früher steckte ich das weg, aber dieses „Früher“ ist eine ferne Erinnerung.
Das Ziel vor Augen: Das teuerste Eis von Wuppertal
Vielleicht 500m Luftlinie trennen mich von den Turmterrassen und dem Eis Kiosk, aber ich wählte Heute den weiteren Weg. Ich wollte mir die Belohnung einfach verdienen: Ein Eis am Kiosk beim Turmterrassen. Man flüstert sich in der Stadt zu, es sei das teuerste Eis Wuppertals. 2,50 € pro Kugel! Letztes Jahr war es schon ein Luxusgut, aber die Kugeln waren so riesig, dass man sie fast mit dem Waffenschein hätte führen müssen.
Der Gedanke an dieses Eis verlieh mir Flügel. Meine dunkle Jeans sog die Sonne auf wie ein Schwamm, die Beine wurden schwer, doch der Anblick der Turmspitze wirkte wie eine Infusion. Die Müdigkeit verflog, der Schritt wurde sicher. Ich ging im Geist schon die Sorten durch – bei vier Optionen ist das Risikomanagement ja überschaubar.
Nur eines hätte mich stutzig machen müssen: Niemand im Park hielt eine Waffel in der Hand. Nicht einer. „Klar“, dachte ich mir noch arrogant, „bei dem Preis schlagen eben nur die Genießer zu.“
Das bittere Finale.
Die letzte Biegung, der finale Triumphmarsch zum Kiosk und dann… Stille. Verriegelt. Verrammelt. Zu.
Samstag, 12 Uhr, der Park ist voller Menschen, die Sonne brennt – und der Kiosk macht blau. Es gab nicht mal einen benutzten Löffel zum Ablecken für mich.
Könnt ihr euch diese Leere vorstellen? Wenn die Motivation der letzten halbe Stunde einfach in der Hitze verpufft?
Aber gut, ich ziehe das Positive daraus: Ich habe Geld gespart. Und das Beste? Die Vorfreude auf das Eis, das ich nie gegessen habe, hat mich eine halbe Stunde lang blendend unterhalten. Und dieses Grinsen war, im Gegensatz zur Kugel Vanille, absolut kostenlos.
