Wer sagt, Fotografie sei kein Sport, der ist noch nie 15 Kilometer von Wichlinghausen nach Elberfeld und zurück marschiert. Mein Plan für Freitag: Minimales Gepäck, maximale Konzentration. Also blieb der schwere Rucksack zu Hause, nur die Kamera kam mit.
Der Weg entlang der B7 hat ja bekanntlich sein ganz eigenes „Charme-Paket“. Ohne Ballast auf dem Rücken fühlt man sich zwar leichtfüßig wie eine Gazelle, aber die Realität holt einen schnell ein: Eine vierspurige Straße, die so viel Lärm produziert, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht – geschweige denn einen klaren Gedanken fassen kann.
Das Ziel: „Café Müller“ vs. Baustellen-Chaos
Mein Ziel war das Mural „Café Müller“ an der Bundesallee 221. Es ist Teil der genialen „Pina Bausch Gallery“, die das Erbe der Tanz-Ikone auf die Straße bringt. Das Bild selbst? Ein Traum. Die Umgebung? Ein Albtraum für Fotografen.
Ich musste mich regelrecht verrenken, um die parkenden Autos, die Mülleimer und die aktuelle Baustelle aus dem Bild zu kicken. Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Auf dem Chip ist jetzt pure Kunst, statt Wuppertaler Stadt-Chaos.
Wer steckt dahinter? Der „Hände-Flüsterer“ Case Maclaim
Das Mural stammt von Case Maclaim (eigentlich Andreas von Chrzanowski). Wenn du dich fragst, warum die Hände auf dem Bild so unglaublich echt aussehen: Das ist sein Markenzeichen!
Der Pionier: Case kommt aus Frankfurt und ist ein Urgestein der deutschen Street-Art-Szene. Er hat den Fotorealismus mit der Sprühdose quasi miterfunden.
Weltweit unterwegs: Seine Murals findest du in über 20 Ländern – von New York bis Hawaii. Und jetzt eben auch direkt an unserer lauten B7.
Die Story zum Bild: Das Motiv basiert auf einem Foto der Journalistin Anne-Christine Poujoulat von 1995. Es zeigt Pina Bausch in ihrem berühmten Stück „Café Müller“. Case hat es geschafft, diese zerbrechliche Dynamik des Tanzes auf eine harte Hauswand zu übertragen.
Mein Fazit: Der Marsch war lang, die Ohren dröhnen immer noch, aber für dieses Motiv hat sich jeder Meter gelohnt.
