Wer heute in Schlesien oder Polen vor die Tür geht, sollte eines sicherheitshalber zu Hause lassen: seine Würde und teure Seidenblusen. Denn es ist wieder so weit

Smingus-dyngus
Ostern in Schlesien hat viele Gesichter, aber keines ist so feuchtfröhlich wie der Ostermontag. Was früher ein charmanter Brauch war, bei dem junge Männer den Mädchen mit ein paar Tropfen Wasser den Hof machten, hat sich über die Jahre zu einer Art „legalem Wasser-Terrorismus“ entwickelt.
Tradition trifft Wasserpistole
Heute wird bei dieser schlesischen Tradition nicht mehr nur dezent gesprenkelt. Stattdessen wird mit Eimern, Profi-Wasserpistolen und taktischer Präzision aus dem Hinterhalt operiert. Es ist einer der spannendsten Bräuche unserer Heimat: Ein Tag, an dem gestandene Männer wieder zu kleinen Jungs werden und jede Frau zur Zielscheibe mutiert. Es ist die schlesische Art zu sagen: „Ich mag dich so sehr, dass ich möchte, dass du eine Lungenentzündung riskierst!“
Aber mal ehrlich – gibt es etwas Erfrischenderes, als bei 10 Grad Außentemperatur einen kalten Eimer Wasser in den Nacken zu bekommen?
Survival-Tipps für Frauen am Ostermontag
Mein gut gemeinter Rat an alle Frauen, die heute in Schlesien oder Polen unterwegs sind: Versucht erst gar nicht, trocken zu bleiben. Eure einzige Chance auf Würde ist folgende: Betet einfach inständig, dass es draußen in Strömen regnet! Wenn ihr sowieso schon klatschnass vom Himmel seid, spürt ihr den Eimer Wasser von den Nachbarsjungs wenigstens nicht mehr. Man muss das Ganze einfach strategisch angehen!
In diesem Sinne: Bleibt (vielleicht) trocken und habt einen fröhlichen Ostermontag!
Damit ist meine schlesische Ostern-Serie am Ende angelangt
Leider durften wir, wie eigentlich jedes Jahr, Ostern zu Hause erleben. Anscheinend wurde meine Frau früher zu doll mit Wasser bespritzt, weil sie seit Jahren eine Urlaubssperre auf der Arbeit vortäuscht. Da kann man nichts machen! Deswegen wird sie von mir jedes Jahr mit doppelter Wucht bespritzt. Meistens steht die Bude danach ziemlich unter Wasser…Dazu kommen auch die jungen Frauen, die wir jedes Mal auf diesen Tag vorbereiten 🙂 Katja flüchtet vorzeitig nach Remscheid nach Hause – so weit werde ich als „der Alte“ nicht hinterherfahren und hoffe, dass mein Sohn dort seine österliche Pflicht tun wird… aber dieses Jahr ist Stamatia dran… sie hat das so noch nicht erlebt! HiHi!

Da wird es aber Zeit, dass die Frauen mal ordentlich zurückspritzen. Ich finde, wenn ein alter Brauch dann so ausartet, ist es nicht mehr lustig.
Herzliche Grüße und noch einen schönen Ostermontag, lieber Marius
Elke