Bei unserem letzten, recht kurzen Besuch auf dem St. Annaberg in Schlesien war die berühmte Klosterkirche gar nicht unbedingt unser eigentliches Ziel. Wir waren schon so oft dort, dass ich mich manchmal selbst frage, wieso es mich immer wieder an diesen Ort zieht. Es ist nicht weit von uns entfernt – vielleicht 60 Kilometer, mehr nicht. Aber es sind eben 60 Kilometer reine Landstraße, vorbei an Dörfern und weiten Feldern. Eine Stunde Fahrzeit muss man für eine Strecke also mindestens einplanen.
Von meinem Geburtsort aus war der Annaberg viel näher. Ich konnte ihn damals sogar sehen, wenn ich bei Freunden im dritten Stock aus dem Fenster geschaut habe. Als Kinder sind wir oft mit den Fahrrädern dorthin gefahren, manchmal sogar den ganzen Berg hinauf bis nach ganz oben. Das war damals eine echte Leistung mit unseren alten Klapprädern – ganz ohne Gangschaltung und ohne E-Motor!
Vielleicht ist genau das der Grund. Vielleicht sind es die Erinnerungen aus der Kindheit, die einem das Herz im Alter manchmal so schwer machen. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich überhaupt jemals so etwas wie Heimweh spüren würde. Doch je älter man wird, desto mehr plagen einen diese Gedanken. Man sehnt sich danach, noch einmal die Luft und die vertrauten Geräusche der alten Heimat in sich aufzusaugen. Den Ort, an dem ich geboren bin, besuche ich inzwischen eher selten, dorthin zieht mich nicht mehr viel. Aber es gibt eben diese ganz besonderen Ecken in Schlesien, die mich einfach nicht loslassen. Dazu gehört definitiv der St. Annaberg – ein kleines Dorf, das sich mit großen Buchstaben in die polnische und deutsche Geschichte eingeschrieben hat.
Aber eigentlich wollte ich heute gar nicht nur über die Melancholie schreiben…
Nach fast drei Wochen intensiver Arbeit an den Ideen´, wollte ich heute endlich mal eine Pause einlegen. Eine Pause vom Rechner und von diesem harten Stuhl, der sich inzwischen schon fast auf meinen beiden Pobacken abgedruckt hat. Aber wie so oft im Leben: Man kann einfach nicht loslassen. Das ist wie mit der Sehnsucht nach der Heimat – man bleibt an dem hängen, was man einmal angefangen hat. Zumindest habe ich durch die kurze Pause ein wenig Abstand von der Umstellung auf mein selbstgebautes Theme bekommen. Hoffentlich schmeiße ich das nicht irgendwann komplett in den Müll… wobei, ich habe schon wieder eine neue Idee im Kopf! Mann, ich sollte im nächsten Leben wohl wirklich als hauptberuflicher Entwickler durchstarten! 🙂
Meine Ideen für den Blog sind ja schon nicht schlecht, aber was wir dann in der Klosterkirche gesehen haben, war eine echte Demonstration der kirchlichen Evolution. Früher stand dort ein Mönch mit einem kleinen Körbchen, um Spenden für das Kloster zu sammeln. Später stand dort nur noch das Körbchen oder eine klassische Spardose. Aber jetzt, im 21. Jahrhundert? Da gibt es in der Kirche eine direkte Verbindung zur Bank! Ein moderner Terminal, an dem man seinen Ablass („Odpust“) ganz bequem per Karte bezahlen kann.
Genau so ist Polen: Während man in Deutschland noch immer nicht in jedem Geschäft mit Karte zahlen kann, ist die Digitalisierung dort längst in der Kirche angekommen. Es heißt ja immer, wir in Europa seien beim digitalen Wandel ganz vorne mit dabei – aber dass die Menschen in Polen schon vor Jahren selbst ihr Bier in der kleinsten Kneipe mit Kreditkarte zahlen konnten und jetzt sogar der Segen digitalisiert wird, bringt mich doch immer wieder zum Schmunzeln.
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